Fussball Champions League - MK Basel
Murat Yakin an der Medienkonferenz nach einem enttäuschenden CL-Auftritt gegen Steaua Bukarest. (Marc Schumacher/MS Images)
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«Der Uefa-Koeffizient? Auch so ein Irrglaube»

Bei Schlagzeilen wie «Heute sind wir alle Basler!» läuft es mir kalt den Rücken herunter – niemals würde ich ein anderes Schweizer Team als das «Meine» unterstützen. Dafür gibt es nicht nur emotionale Gründe.

«Scheisse», denke ich kurz und gehe weiter. Den Leuten, die sich am Zürcher Hauptbahnhof um einen kleinen Bildschirm in einem Dönerladen versammelt haben, mag ich mich nicht anschliessen. Ich mag nicht sehen, was sie sehen: Der FC Basel liegt in London gegen das grosse Chelsea kurz vor Schluss 2:1 in Führung.

Am nächsten Morgen bin ich froh, dass ich mir das nicht angetan habe. Die Worte «Sensation», «Fussball-Wunder» oder «Freudentaumel» in der Zeitung zu lesen reicht mir jeweils. Warum ich mich über den Basler Sieg freuen sollte, ist mir ein Rätsel: Ich mag den FC Basel nicht, also ist alles, was für sie gut ist, schlecht für mich.

Ja, ich bin FCZ-Fan. Und nein, mit Neid hat meine Haltung nichts zu tun. Wenn es um Fussball geht, fehlt mir schlicht so etwas wie eine Schweizer Identität. Spielern wie Yann Sommer oder Valentin Stocker wünschte ich in der Super League jede Woche eine Niederlage. Gegen Thun, Sion, Lausanne – egal. Warum sollte ich sie dann gegen Chelsea unterstützen? Branislav Ivanovic oder John Terry sind mir eh näher.

«Erfolge von Schweizer Clubs in Europa sind gut für alle Schweizer Vereine», wollen mir Leute weismachen. Das ist Quatsch. Wenn sich Erfolge von Schweizer Clubs in europäischen Wettbewerben häufen, strahlen die europäischen Sternstunden des FCZ daneben viel weniger hell.

Ein Sieg im San Siro gegen die AC Mailand ist ein überwältigendes Gefühl, das ich voll und ganz geniessen will. Es stört mich, wenn ich nach dem Spiel Artikel und Bildstrecken mit «Sternstunden im Schweizer Clubfussball» sehen muss; es ist mir egal, ob Schweizer Teams schon gegen die AS Roma, Ajax, Barcelona oder Hertha BSC gepunktet haben. Ich will, dass der FCZ für seinen Erfolg die ganze Aufmerksamkeit bekommt.

Ich will den Sieg allen unter die Nase reiben. Und im Idealfall nervt sich die ganze Fussballschweiz genauso über den Erfolg meines Vereins, wie ich mich über den der anderen nerve. Sei es, weil man dem Rivalen für eine grosse Leistung Respekt zollen muss oder auch nur, weil er sich dafür einen unverdient grossen Betrag aufs Konto überweisen lassen kann.

Dass ich mich über Niederlagen anderer Schweizer Teams gegen No-Names wie St. Johnstone oder MyPa besonders freue, versteht sich von selber. «Das ist aber schlecht wegen des Uefa-Koeffizienten», sagen einige. Ich sage: auch so ein Irrglaube.

Schweizer Vereine spielen nicht, um Punkte für andere Vereine zu holen. Die Qualifikation oder ein Sieg in der Champions League hilft vor allem einem: dem Sieger. Die grossen Erfolge des FC Basel auf europäischer Ebene in den letzten Jahren machen das deutlich: Dank Millioneneinnahmen ist der FCB zum schier unschlagbaren Dominator der Liga geworden. Und das ist schlecht für den gesamten Schweizer Fussball.

Clubs, die keine Einnahmen aus europäischen Wettbewerben haben, überleben nur, wenn sie ihre Talente verkaufen – auch an den FC Basel, der seine Spitzenposition so festigt. Was nützt der Liga dann ein zweiter Platz für die Qualifikation zur Champions League, wenn kein anderer Club ausser dem Serienmeister konkurrenzfähig ist?

Das schadet schliesslich auch dem FC Basel. Solange die Basler durch europäische Erfolge weiter verdienen und sich mit Topclubs messen können, geht alles auf. Was aber, wenn die Qualifikation einmal verpasst wird?

Hier empfiehlt sich ein Blick nach Schottland – auch dort dominiert seit Langem ein Team die Liga (oder zwei, bevor die Glasgow Rangers zwangsrelegiert wurden). Das schlägt sich im internationalen Abschneiden nieder: In den letzten beiden Jahren beispielsweise scheiterten schottische Vereine in Europa an Gegnern wie UMF Stjarnan, Spartak Trnava, FK Minsk, Kuban Krasnodar oder FF Malmö.

Die Liga ist am Boden, und nach einigen Personalwechseln verpasste Celtic dieses Jahr die Qualifikation zur Champions League (gegen NK Maribor, nachdem der Verein sportlich schon in der Runde zuvor gegen Legia Warschau klar ausgeschieden wäre). Celtic werden damit über 20 Millionen Franken fehlen. Das droht auch dem FC Basel früher oder später.

Meine «Sternstunden im Schweizer Clubfussball » sehen deshalb ein bisschen anders aus: Das 0:7 des FC Basel gegen Bayern München im Rückspiel des Champions League Achtelfinals, das zeigte:  Ihr spielt noch nicht in einer anderen Liga, nur weil ihr die Super League dominiert. Ebenso freute ich mich, als die Grasshoppers erfahren mussten, dass ihre grosse Zeit im europäischen Fussball definitiv vorbei ist: In der Europa-League-Qualifikation verloren sie bei  Lech Posen mit 0:6.

Und dann ist ja da noch das bereits angesprochene 1:0 des FC Zürich in der Champions League in Mailand. Es gibt also doch Momente, in denen ich mich mit der ganzen Schweiz freuen kann – und dann umso heftiger.

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