Die Nati ohne Spielgestalter E-Mail

Im ersten Testspiel des WM-Jahres konnte die Schweizer Nati ihr Potential nicht ausschöpfen. Nebst den Fehlern in der Abwehr fehlte vor allem eines: Der Schwung in der Offensive.

Das System ohne Regisseur

Seit Hitzfeld das Amt des Nationaltrainers übernommen hat, spielt die Schweiz ein klassisches 4-4-2 mit zwei zentralen Mittelfeldspielern. Hitzfeld lässt nicht mit einer Raute spielen, welche einen Spielgestalter hinter den Sturmspitzen vorsehen würde. Man kann ihm seine Entscheidung aber nicht übel nehmen, denn es tummeln sich nicht gerade Kandidaten, welche für die prestigeträchtige Spielmacherposition prädestiniert wären. Die folgenden vier Spieler sind die einzigen, welche in den letzten Jahren immer wieder genannt wurden, wenn die Diskussion um einen Spielmacher in der Nati wieder aufkam.

Hakan Yakin - Der Unkonstante

Der aktuell wahrscheinlich einzige Schweizer Spieler mit Regisseur-Qualitäten, welcher den Sprung in die Stammelf oder den WM-Kader schaffen könnte. Zwar gilt er schon jahrelang als zu alt, zu faul und zu unkonstant und polarisiert wie kein anderer Nationalspieler. Aber trotzdem besticht er in Luzern als Dreh- und Angelpunkt der Offensive und bewies im Nati-Trikot in der Vergangenheit vermehrt, dass er ein Spiel fast im Alleingang entscheiden kann. Vielleicht ist er kein Kandidat für die Stammformation, an die WM gehört er mit seinen Qualitäten aber zweifelsohne.

Davide Chiumiento -  Das ewige Talent

Als der Mittelfeldspieler als 15-Jähriger zu Juventus Turin in die zweite Mannschaft wechselte, galt er als Riesentalent. Sogar in Italien wurde er als Nachfolger von Alessandro Del Piero gehandelt, die Schweizer Fussballoffensive schien für die nächsten paar Jahre ausgesorgt zu haben. Die Realität sieht jedoch anders aus. Chiumiento konnte sich in Turin nie beweisen, und auch bei seinen diversen Ausleihstationen konnte er den Durchbruch nicht schaffen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz befindet er sich zwar in Luzern im Höhenflug, die Leistung in der Partie gegen Uruguay als er auf dem linken Flügel spielte, war jedoch alles andere als schmeichelhaft.

Ivan Rakitic - Der Kroate

Der schweizerisch-kroatische Doppelbürger durchlief alle Juniorenmannschaften der Schweizer Nationalmannschaft. Er spielte bei Basel teilweise überragend auf, schaffte so den Sprung in die Bundesliga zum FC Schalke 04. Am 23. Juni 2007 gab Rakitic aber bekannt, er wolle in Zukunft für sein Heimatland Kroatien auflaufen. Trotz vieler Überredungsversuche blieb er bei seiner Entscheidung, die Schweiz verlor eines ihrer grössten Talente. Heute schmerzt der Verlust nicht mehr so sehr. Seit seinem Wechsel ins Ruhrgebiet hört man von Rakitic wenig bis gar nichts, bisher konnte er sich in der Bundesliga noch nicht durchsetzen.

Almen Abdi - Der Vergessene

Sein Debüt in der Nationalmannschaft verlief verheissungsvoll. Im August 2008 brillierte er gleich in seiner ersten Partie im Schweizer Nationaldress mit zwei Vorlagen beim Spiel gegen Zypern. In der Saison nach diesem Länderspiel befand sich Abdi am Höhepunkt: Meistertitel mit dem FCZ, 19 Saisontore, zwölf Vorlagen. Was danach folgte, ist allen bekannt. Nachdem Abdi seine Wechselabsichten äusserte spielte er für die Herren Challandes und Canepa keine Rolle mehr. Nun findet er sich bei Le Mans in der französischen Ligue 1 wieder und ist weit entfernt von Hitzfelds WM-Blickfeld.

Wer fährt mit zur WM?

Ob es überhaupt einer dieser vier Spieler an die WM in Südafrika schafft bleibt abzuwarten. Rakitic wird sowieso nicht dabei sein, von Abdi spricht Hitzfeld seit Längerem nicht mehr. Chiumiento scheint seine Chance im Testspiel gegen Uruguay verpasst zu haben. Yakin war für die Partie gegen die Südamerikaner nicht im Kader. Dennoch hat er die besten Karten. Und hätte es auch verdient!

 

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