Der Meistercheck E-Mail

Mit YB und Basel verloren am Wochenende beide Titelanwärter ihre Spiele. Beide Vereine sind momentan auf der Suche nach der Meisterform, doch ihre Probleme sind keineswegs die gleichen.

YB’s Psyche

Selten wurde eine Mannschaft früher zum Meister erklärt als die Young Boys in dieser Saison. Als die Berner im Oktober mit neun Punkten Vorsprung auf souveräne Art und Weise und mit begeisterndem Fussball die Tabelle anführten, zweifelte kaum jemand am ersten Meistertitel seit 25 Jahren. Doch je näher das Saisonende heran rückt, umso mehr scheinen die Berner am Erfolgsdruck zu zerbrechen. Es werden zwar immer noch die meisten Spiele gewonnen, doch selten weiss man dabei zu überzeugen. Während man gegen den FC Zürich vor einer Woche den Kopf gerade noch aus der Schlinge ziehen konnte, war dieses Mal gegen Xamax die Niederlage nicht mehr abzuwenden. Wenn die Berner so weiterspielen, wird es bis zum Schluss resultatmässig noch einige Male in die Hose gehen.

Basler Verletzungssorgen

Der FCB hat zweifelsohne ein auch in der Breite qualitativ gut besetztes Kader, doch gewisse Ausfälle kann auch dieses nicht kompensieren. Die Ausfälle von Huggel und Frei wiegen schwer. Es fällt den Baslern ohne die beiden Leistungsträger sehr schwer, Tore zu schiessen. Das verwundert nicht, schliesslich waren Frei und Huggel in dieser Saison zusammen für 21 Tore und 10 Torvorlagen zuständig. Während Huggel schon bald wieder einsatzfähig sein sollte, wird Alex Frei bekanntlich erst zum Ende der Saison wieder spielen können. Bleibt dem FCB das Verletzungspech auch in naher Zukunft treu, könnte das zu einem entscheidenden Faktor im Meisterrennen werden.

YB’s Transfers

Es ist selten förderlich für die Leistung eines Spielers, wenn er weiss, dass er ab dem Sommer für einen anderen Verein spielen wird. Man wird von der Öffentlichkeit viel kritischer betrachtet und der Fanzuspruch ist nicht mehr derselbe wie vorher. Es ist schwierig zu beweisen, dass man mit dem Kopf noch hundertprozentig bei der Sache ist. Seydou Doumbia schiesst zwar immer noch ab und zu seine Tore, doch der Transfer zu ZSKA Moskau ist trotzdem nicht spurlos an ihm vorbei gegangen. Es fehlt ihm an der nötigen Lockerheit. Zu sehr will er sich von YB mit dem Meistertitel verabschieden. Noch schwieriger ist die Situation bei Gilles Yapi. Wer in dieser Phase der Meisterschaft seinen Wechsel zum Erzrivalen bekannt gibt, verliert eine Menge an Sympathie. Damit hat Yapi zu kämpfen. Auch bei der Niederlage gestern gegen Xamax trat er kaum in Erscheinung und wurde nach gut einer Stunde ausgewechselt. Doumbia und Yapi gehören zweifelsohne zu den Leistungsträgern in diesem Team. Finden sie nicht bald wieder zur Topform, wird es für die Berner äusserst schwierig, den Platz an der Sonne bis zum Ende der Saison zu verteidigen.

Finks fehlende Erfahrung

Es ist seine erste Saison in der Axpo Super League und nach anfänglichen Schwierigkeiten scheint sich Thorsten Fink in der Schweiz langsam aber sicher zurecht zu finden. Nun aber geht es in die entscheidende Phase der Meisterschaft und er muss beweisen, dass er irgendwann ein grosser Trainer werden kann. Fink hat zwar bei seinen bisherigen Vereinen (Salzburg Amateure und Ingolstadt) bereits Erfolge feiern können, doch der Druck beim FCB ist zweifelsohne ein anderer. Die Vorgaben seitens der Vereinsführung sind klar, Fink muss die Basler zum Meistertitel führen, alles andere wäre eine Niederlage und wird die Arbeit des Trainers in Frage stellen. Seine Entscheidung, gegen GC auf den erst kürzlich wieder genesenen Franco Costanzo zu setzen, war ein Fehler und kostete dem FCB wohl die Punkte. Viele weitere Fehler darf sich Fink nicht mehr erlauben, sonst ist die Meisterschaft weg und Fink muss weiter auf den ersten Titel in seiner Trainerlaufbahn warten.

Die Finalissima

Es könnte das Spiel der Spiele in dieser Saison werden: Die Young Boys treffen am letzten Spieltag zu Hause auf den FCB. Sollte die Meisterschaft bis dahin noch nicht entschieden sein, ist das sicher ein Vorteil für YB, denn die Basler hatten schon einige Male Probleme mit dem Berner Kunstrasen. Doch es kann auch anders kommen wie im letzt jährigen Cupfinal, als YB vor heimischem Publikum selbst eine Zwei-Tore-Führung gegen Sion nicht zum Titelgewinn reichte. In einem Spiel kann viel passieren.

Noch bleiben 13 Runden zu spielen und eine Vorentscheidung ist noch längst nicht gefallen. Doch viele weitere Niederlagen sollten sich die beiden Vereine nicht mehr leisten.

 

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