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Ricardo Rodriguez, der linke Aussenverteidiger unserer Nationalmannschaft, ist neu unter den Fittichen Felix Magaths. Ein gutes Zeichen! Denn es gibt keinen Trainer mit einer solch guten Nase für Schweizer Fussballer wie Magath.
Raffael ist heute der wichtigste Spieler bei Hertha BSC. Er und sein Teamkollege Steve Von Bergen hatten in Berlin zu Beginn aber vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung einen schweren Stand, weil sie von Lucien Favre aus der Schweizer Super League verpflichtet worden waren. Dies schwächte auch die Position von Favre selbst, so dass es schliesslich wenig brauchte, um die Ehe zwischen Favre und Hertha in die Brüche gehen zu lassen. Ähnliches haben auch Christian Gross und Marcel Koller in Deutschland erfahren – ihre «Schweizer» Philipp Degen oder Daniel Imhof wurden bei Medien und Fans immer sehr skeptisch beäugt – und dies färbte auch negativ auf die Haltung zum Trainer ab.
Die verbrannten Finger Lucien Favres
Holt hingegen ein Holländischer Trainer Spieler aus seinem Heimatland, dann kritisiert dies niemand. Die Schweiz ist eben im Gegensatz zu Holland noch nie Europameister geworden. Daher wird ein Schweizer Trainer automatisch der Klüngelei verdächtigt, wenn er einen Spieler aus seinem Land in die Bundesliga holt, egal welche Qualität dieser Spieler tatsächlich mitbringt. Favre hat aus seiner Berliner Zeit gelernt, und ist bei Gladbach nun extrem vorsichtig mit allfälligen Transfers aus der Schweiz oder von Schweizer Spielern. Es ist für ihn sicherlich besser, auch in Zukunft auf solche Zuzüge gänzlich zu verzichten, denn er findet auch anderswo Spieler mit den von ihm gesuchten Qualitäten, und gefährdet so nicht unnötig seine Position.
Wenn es nun aber für Trainer aus der Schweiz in der Bundesliga aus taktischen Gründen nicht opportun ist, wer verpflichtet dann Schweizer Spieler? Die Antwort ist einfach: Felix Magath!
Der Deutsche Erfolgstrainer (Meister mit Bayern und Wolfsburg) glaubt an den beim FC Zürich ausgebildeten Ricardo Rodriguez und macht ihn zu seinem wichtigsten Transfer des Winters. Gleichzeitig baut Magath im Sturm unter anderem neu auf Giovanni Sio vom FC Sion, der noch vor anderthalb Jahren in der 1. Liga, Gruppe 1, für die U21 der Walliser gespielt hat.
Alles beginnt mit Chapuisat
Dies ist kein Zufall. Felix Magath hatte seit Beginn seiner Trainer- und Manager-Karriere ein Flair und ein gutes Näschen für Schweizer Spieler mit Potenzial. Die Geschichte des 43-fachen deutschen Nationalspielers und der Schweiz beginnt im Winter 1991. Magath ist fünf Jahre nach Beendigung seiner Spielerkarriere Manager bei Bayer Uerdingen und holt unter dem Kopfschütteln der versammelten Expertenrunde einen in Deutschland völlig unbekannten jungen Linken Flügelspieler namens Stéphane Chapuisat aus Lausanne in die Bundesliga. Ein halbes Jahr später zieht Chapuisat weiter nach Dortmund, wo er zu einem der erfolgreichsten ausländischen Bundesliga-Stürmer aller Zeiten werden wird. Chapuisat ebnet mit seinen Leistungen den Weg in die Top-Ligen für andere Schweizer Nationalspieler, die 1994 dann auch gemeinsam an der WM in den USA begeistern. Der Türöffner dazu war Felix Magath.
Es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass Magath einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Schweizer Nationalmannschaft nahm. Im Winter 2008 holte Magath Diego Benaglio von der Portugiesischen Insel Madeira nach Wolfsburg und machte ihn gleich zur Nummer Eins des Bundesligisten und damit gleichzeitig auch der Schweizer Nationalmannschaft. Ohne Benaglio hätte später die Schweiz Spanien an der WM 2010 wohl kaum schlagen können. Von den Qualitäten Benaglios war Magath schon früh überzeugt. In seiner Zeit bei Stuttgart kam Benaglio 2002 aus dem Nachwuchs der Grasshoppers nach Schwaben. Bis heute hat Benaglio noch keine einzige Super-League-Partie absolviert.
Magath und die Schweizer Torhüter
Gleichzeitig mit Benaglio verpflichtete Magath mit Andreas Hilfiker einen Schweizer Goalietrainer. Diesen hatte er genau zehn Jahre davor bereits aus Aarau zum damaligen Zweitligisten Nürnberg geholt. Mit Hilfiker im Tor und Magath auf der Trainerbank schaffte Nürnberg den Sprung von den Abstiegsplätzen auf Rang 3 und damit den Aufstieg in die Bundesliga. Magath und Hilfiker holten mehr als 10 Jahre später im September 2008 mit MarwinHitz einen weiteren jungen Schweizer Keeper nach Wolfsburg – vom Challenge-League-Klub Winterthur. Im ähnlichen Stil ging es in Magaths Schalker Zeiten weiter, wo er den Yverdon gehörenden Stürmer Mario Gavranovic nach gerademal einem halben Jahr Super League verpflichtete.
In den 90er-Jahren war der zweite grosse Schweizer Transfer nach Chapuisat für Magath Stéphane Henchoz gewesen, den der Sohn eines Puerto Ricaners und einer Deutschen 1995 zum HSV holte. Später machte Henchoz beim FC Liverpool eine grosse Karriere wie kaum ein anderer Schweizer Spieler vor und nach ihm in der Premier League.
Streller und Yakin Opfer des unglücklichen Timings
Magath hat zweifellos ein grosses Flair für Schweizer Spieler, aber er ist kein bedingungsloser Fan. So hat er in seiner Bayern-Zeit keinen Schweizer geholt und die nicht von ihm verpflichteten Marc Fiechter (Nürnberg) und Adrian Kunz (Bremen) hatten bei Magath einen schweren Stand. Wenn aber ein Schweizer Spieler wirklich Potential hat, dann ist häufig Magath schnell zur Stelle. Dies gilt auch für seine beiden Wintertransfers 2004 beim VfB Stuttgart: Marco Streller und Hakan Yakin. Dass die beiden zu den besten Schweizer Spielern des letzten Jahrzehnts gehören, haben sie in der Champions League, mit der Nationalmannschaft und in der Liga zu Genüge bewiesen. Ihr Pech bei Stuttgart war, dass Magath nur wenige Monate nach ihrer Verpflichtung die Chance seines Lebens bei den Bayern erhielt und dessen Nachfolger Mathias Sammer eine andere Vision von Fussball vertrat.
Wird ein Schweizer Spieler von Felix Magath verpflichtet, ist das ein gutes Zeichen. Felix kennt sich mit Schweizer Spielern aus und hat ihnen Glück gebracht. Es gibt nicht viele Schweizer Trainer, die in den letzten Jahrzehnten einen solch positiven Einfluss auf den Schweizer Fussball ausgeübt haben, wie «unsere Homebase» Felix Magath in Deutschland. Eigentlich müsste der Verband ihm in Muri ein Denkmal bauen.
Bild: vfl-wolfsburg.de |