Koller und der österreichische Zirkus |
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Seit seinem Amtsantritt kämpft Österreichs Teamchef Marcel Koller um Anerkennung bei Spielern und Öffentlichkeit. Doch seine Autorität wächst. Dank guten Resultaten und unzimperlichen Handlungen.
Koller ist kein Hitzfeld In der Schweiz ist der Posten des Nationaltrainers ein mit Ruhe gesegneter Arbeitsplatz. Er erlaubt es dem Amtsinhaber problemlos, abseits der Öffentlichkeit die schönsten Golfplätze des Landes aufzusuchen oder im Nachbarland regelmässig TV-Spiele zu kommentieren. Alle paar Monate flackert das öffentliche Interesse kurz auf, wenn der Nationaltrainer per Aufgebot eine sich stets ähnelnde Truppe Fussballer nach Feusisberg beruft, um mit ihr kurz darauf ein Spiel zu absolvieren. Im Anschluss gibts – je nach Resultat – Lob oder Schmach von den Medien – und dann bleibt es wieder Wochen oder Monate gänzlich ruhig ums Nationalteam und seinen Trainer. Ja, die Schweizer Nati bietet wenig Diskussionsstoff: Glänzende Erfolge sind selten, aufwühlende Skandale sowieso. Und wenn, dann hat Trainer Hitzfeld mit Letzteren sicher nichts zu tun (wie etwa beim Twitter-Fehltritt von Olympia-Teilnehmer Morganella). Er strahlt Erhabenheit aus und ist auch nach verpasster EM-Qualifikation unantastbar. Ist der Posten als Nationaltrainer also ein gut bezahlter «Schoggijob»? In der Schweiz vielleicht. Doch nicht bei unseren Nachbarn in Österreich. Keine Vorschusslorbeeren Dort sitzt seit letztem November Marcel Koller auf dem Stuhl des «Teamchefs». Doch friedlich waren die vergangenen 10 Monate für den ehemaligen St.-Gallen- und GC-Meistertrainer bislang nicht. Bereits der Empfang war kühl. Ausgerechnet ein Schweizer sollte das Nationalteam zurück zum Erfolg führen? Das wollte den Österreichern nicht in den Kopf. Es hagelte Kritik aus allen Ecken. Der ehemalige Nationaltrainer und -spieler Herbert Prohaska prophezeite in der «Kronen-Zeitung»: «Koller wird es sehr schwer haben!» Und schwer hatte er es. Während Hitzfeld in der Schweiz als Heilsbringer empfangen wurde und auf ein Team von gehorsamen Schäfchen traf, hatte Koller von Anfang an mit Kritik aus den Medien und schwierigen Spieler-Charakteren in seiner Mannschaft zu kämpfen. Doch Koller handelte geschickt: Durch gezielte Aktionen gewann er laufend an Autorität. So verbot er seinen Assistenztrainern Interviews zu geben. Als Co-Trainer Fritz Schmid im April dennoch mit «90minuten.at» sprach, griff Koller ein: Das Onlineportal musste alle Antworten schwärzen. Scharner und das Wiener Schnitzel Natürlich sorgten auch gute Resultate dafür, dass Koller mittlerweile den Respekt der österreichischen Öffentlichkeit mehrheitlich geniesst. Obwohl nur auf Rang 60 der Weltrangliste klassiert, ist Kollers ÖFB-Team im Jahr 2012 noch ungeschlagen und gewann diese Woche auch gegen die Türkei mit 2:0. Bei unserem Nachbar macht man sich deshalb sogar Hoffnungen, sich mit Koller als Trainer erstmals seit 1998 wieder für eine WM-Endrunde zu qualifizieren. Koller warnt hingegen: «Der Zauber ist schnell wieder verflogen.» Der pragmatische Zürcher weiss, dass noch viel Arbeit auf ihn zukommt. So gab es vor dem Spiel gegen die Türkei erneut Zoff im österreichischen Lager: HSV-Spieler Paul Scharner reiste am Mittwoch aus dem Mannschaftslager ab, weil Koller ihm keinen Stammplatz in Aussicht stellte. Scharner verglich Koller darauf hämisch mit einer österreichischen Nationalspeise: «Sie haben ihn weichgeklopft wie ein Wiener Schnitzel, jetzt müssen sie ihn nur noch panieren.» Auch in Zukunft kein Zuckerschlecken Ein Schweizer Nationalspieler, der Hitzfeld mit einem schmelzenden Raclette-Käse vergleicht? Undenkbar! Auch wenn Koller cool und gewohnt ruhig auf Scharners Kritik reagierte – und damit weitere Punkte bei der Öffentlichkeit gewann –, lässt diese Szene doch vermuten, dass der Job als Teamchef auch in Zukunft kein Zuckerschlecken sein wird. Österreich ist halt nicht die Schweiz.
Bild: oefb.at |
Er ist eine deutsche Fernsehlegende mit Kultstatus. Im Interview mit kurzpass.ch rechnet Waldemar Hartmann mit der ARD ab, spricht über die Steueraffäre um Uli Hoeness und lobt seine Wahlheimat Chur.
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Kommentare
Aber "dank" der jahrelangen österreichische n Erfolglosigkeit in der Vor-Koller-Zeit hat er tatsächlich die Chance, vom belächelten "Schweizerli" zum Helden zu werden.
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