So knackt der FCB die Bayern-Abwehr

Vor dem grossen Highlight in der Champions League stellt euch kurzpass.ch den Gegner des FC Basel vor. In zwei Teilen wird die Mannschaft des FC Bayern München genau durchleuchtet. Heute: Die Abwehr.

Die letzte Begegnung

Als der FC Basel in der vergangenen Champions-League-Saison auf Bayern München traf, wurde die Abwehr als Schwachpunkt ausgemacht. Das traumhaft herausgespielte Tor von Alex Frei beim 1:2 im Joggeli zeigte dann auch die Schwächen in der Defensive der Bayern auf. Unter Louis van Gaal wurde das Prinzip des Ballbesitzes kultiviert und das Verhalten gegen den Ball vernachlässigt. Da der holländische Trainer ausserdem keine Neuverpflichtungen wünschte, mussten in der Abwehr Spieler wie Diego Contento oder Danijel Pranjic ran, welche heute über das Reservistendasein nicht herauskommen. Unter Jupp Heynckes hat sich dies radikal verändert. Aus einer Schwachstelle wurde ein Trumpf.

Neuverpflichtungen

In der Führungsriege des FC Bayern München war nach der Ära van Gaal klar, dass in die Abwehr investiert werden musste. Ein verpasster Meistertitel und das Scheitern im Champions-League-Final reichten dem Sportchef Christian Nerlinger. Aus diesem Grund wurden auf diese Saison hin 41 Millionen Euro in die Abwehr gesteckt. Neben dem soliden Rafinha für die rechte Abwehrseite haben vor allem die Transfers von Jérôme Boateng und Manuel Neuer für Aufsehen gesorgt. Mit Boateng wurde ein deutscher Nationalspieler geholt, welcher entweder auf der rechten Abwehrseite oder in der Innenverteidigung spielen kann, und der zu den talentiertesten Abwehrspielern der Liga gehört. Trotzdem ist Manuel Neuer der Königstransfer der Bayern.

Torhüter

Mit dem 25-jährigen Torwart angelten sich die Bayern einen der besten Spieler der Welt auf seiner Position. Nach langen Verhandlungen und unschönen Zwischentönen wechselte er auf diese Saison für 22 Millionen vom FC Schalke 04 in den Süden des Landes. Ausser zwei Flops gegen Borussia Mönchengladbach hat sich Neuer perfekt ins Team eingefügt, und dirigiert bereits lautstark seine Vorderleute.

Durch ihn wird das Spiel der Bayern schneller. Wie kein Zweiter Torhüter versteht es Manuel Neuer den Ball durch Auswürfe oder Abschläge punktgenau zum Mitspieler zu bringen. Fabio Capello kann davon ein Liedchen singen: Der traumhafte Abschlag von Neuer auf Klose führte bei der WM 2010 zum 1:0 von Deutschland gegen England. Über das gesamte Spielfeld erreichte den Stürmer ein punktgenauer Pass. Der Torhüter spielt offensiv und klebt nicht auf der Linie. Dies führt mitunter auch zu Fehlern, verhindert aber mehr Chancen als es provoziert. Der 25-Jährige ist die Personifikation des modernen Torwarts.

Aussenverteidigung

In der Aussenverteidigung ist seit Jahren der Kapitän Philipp Lahm eine feste Grösse. Nach einem kurzen Ausflug auf die rechte Seite, beackert er seit dieser Saison wieder die linke Aussenbahn. Defensiv fehlerfrei, unterstützt er in der Offensive seinen Vordermann Franck Ribéry. Einzig seine Flanken und die Torgefahr sind ausbaufähig. Seit April 2009 hat Lahm kein einziges Spiel in der Bundesliga gefehlt. Ohne Fouls und mit einer unspektakulären Spielweise hält er seine Abwehrseite sauber.

Ganz so stark kann man die rechte Abwehrseite nicht loben. Seit längerem ein Problemfeld, wurde sie durch die Neuverpflichtungen immerhin defensiv stabilisiert. Ob Boateng oder Rafinha, die Gegner haben es schwer auf Rechts durchzukommen. Dafür funktioniert das Zusammenspiel mit Vordermann Arjen Robben nicht wie gewünscht. Das blinde Spielverständnis von Lahm und Ribéry herrscht zwischen dem Holländer und seinen Hinterleuten noch nicht. Dies liegt einerseits an den häufigen Wechseln zwischen Rafinha und Boateng, aber auch an der langen Verletzung von Robben. Mit weiterer Spielpraxis wird aber wohl auch dieses Problem verschwinden.

Innenverteidigung

Auch die Innenverteidigung war unter Louis van Gaal ein Problemfeld. Nachdem Lucio den Verein in Richtung Mailand verlassen hatte, wurde zwischen Demichelis, Breno, van Buyten und Badstuber munter hin und her gewechselt. Richtig zufrieden war man mit keiner Kombination. Deswegen wurde der grossgewachsene Verteidiger Boateng verpflichtet, um mit Holger Badstuber eine junge Innenverteidigung zu bilden. Überraschend hat sich aber Daniel van Buyten durchgesetzt, und mit seinen Toren einen Stammplatz erkämpft. Durch seine Verletzung am 18. Spieltag wird aber Jérôme Boateng von rechts nach innen wechseln, und darf sich auf seiner Lieblingsposition beweisen.

Einen unangefochtenen Stammplatz bei Bayern und seit neuem in der Nationalmannschaft besitzt der Linksfuss Holger Badstuber. Nach einer schwachen letzten Saison, konnte er in dieser Spielzeit wieder an seine Debütsaison anknüpfen. Der erste Pass und sein Stellungsspiel sind für sein junges Alter bereits herausragend. Er kommt mit wenigen Fouls aus, und schlägt dazu noch gefährliche Freistösse. Die Bayern gaben damals Mats Hummels zu Dortmund ab, weil sie in Badstuber den talentierteren Verteidiger sahen. In dieser Saison gibt er ihnen immerhin teilweise recht, obwohl eine Innenverteidigung mit Hummels und Badstuber sicherlich nicht verkehrt wäre.

Fazit

Für Basel wird es schwierig den Abwehrwall der Bayern zu durchbrechen. Während die linke Seite für Shaqiri und Co. wohl nicht zu knacken ist, sollte man sich auf Rafinha und Boateng stürzen, welche noch nicht so stark eingespielt sind. Auch die junge Innenverteidigung sollte dem cleveren Stürmerpaar Streller/Frei die eine oder andere Chance bieten. Einfach wird es aber nicht. Hat man sich in den Strafraum durchgespielt, wartet da immer noch der herausragende Manuel Neuer auf die Torschüsse. Eindrückliche 13 Gegentreffer in 19 Bundesligapartien sprechen eine deutliche Sprache. Bereits im Voraus aufgeben muss der FC Basel aber nicht. Die 5 Tore gegen Manchester United sollten der Hoffnung genügend Nahrung geben.

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Kommentare  

 
#1 N. Hänggi 2012-02-14 22:38
Sehr professionelle Analyse! Der FC Bayern, wie alle Spittzenmannsch aften, kocht auch nur mit Wasser und es ist absolut realistisch, wenn man dem FCB ein Weiterkommen prognostiziert, denn Bayern MUSS gewinnen und genau das ist unsere Chance.
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Seit zehn Jahren kaum zu stoppen

Der FC Basel dominiert die Meisterschaft seit einem Jahrzehnt. kurzpass.ch blickt auf die erfolgreichsten Jahre der Clubgeschichte zurück.

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