Gölä vs. Robbie Williams 0:1

Das Fernsehen war nicht live dabei. Das ist schade, denn im Duell zwischen Thun und Stoke City liegt viel Musik in der Luft, wie der kurzpass.ch-Korrespondent im Berner Oberland erfahren hat.

Clash der Musik-Hauptstädte

Es ist wider Summer und Thun ist drauf und dran, Europa zu erobern – im Dialäkt! Aber das Fernsehen ist nicht live mit dabei. Daher hat sich der kurzpass.ch-Korrespondent ins Berner Oberland begeben, um den Lauf der Ereignisse ins Mittelland zu telegrafieren.

Die Hürden Vllaznia Shkoder und Palermo ist überwunden. Das bedeutet: Jetzt wartet Stoke City. Das ist der zweitälteste Fussball-Klub der Welt. Vor allem aber ist es der Klub aus der Heimatstadt von Robbie Williams. Und aus Thun kommt ja Gölä. Mit anderen Worten: Es trafen die beiden Musik-Hauptstädte Europas aufeinander!

Vor der Partie isch D’Stadt voll von englischen Fans, die im Laufe des Nachmittags am Thunersee eingetrudelt sind. Eine dreistellige Zahl Ordnungskräfte sind zum Schutz der altehrwürdigen Altstadtmauern und ihrer Bewohner aufgeboten worden. Aber die Stoke-Fans, die in den 1980er- und 1990er-Jahren für ihre Hooligans berüchtigt waren, bleiben friedlich: «It’s only us», sagen sie zu den Thuner Kids. Es ist erst die dritte Europacup-Teilnahme in der Vereinsgeschichte der «Potters» und in der 3. Qualifikationsrunde haben sie gegen Hajduk Split zum allerersten Mal überhaupt europäisch eine Hürde übersprungen. Die Qualifikation für die Europa League wäre ein Erfolg für Eternity.

Die Geschichte vom grauen Änteli

Die Zuschauer im Berner Oberland sind gespannt darauf, wie es weitergeht, mit der Geschichte vom graue Änteli FC Thun, das sich immer mehr zu einem weissen Schwan wandelt, so wiss wie Schnee. Der Schnee, der sich ganz deutlich auf den Kuppen von Eiger, Mönch und Jungfrau im Hintergrund des Stadions abzeichnet, und sich ins dreizackige Logo auf dem Dach der Arena Thun im Vordergrund einfügt.

Der Berner Oberländer Fussball ist ja erst in diesem Millenium so richtig erwacht, und hat sich in kürzester Zeit enorm entwickelt. Nach dem zwischenzeitlichen Abstieg des FC Thuns in die Challenge League steht mittlerweile das neue Stadion und durchschnittlich 7'000 Zuschauer unterstützen ihr Team. Sie wollen keini Träne meh, no regrets.

Der Gästeblock ist schon lange vor Spielbeginn gut gefüllt. Dutzende englische Fahnen wehen im Wind – rot-weiss wie auch die Vereinsfarben von Stoke City. Davor Advertising Space mit Werbung für das benachbarte Panorama Center, welches bald eröffnet wird. Kurz vor Spielbeginn nehmen auch die einheimischen Zuschauer ihre Plätze ein. Die Gästefans wissen bereits, was jetzt kommt und singen: «Oh, when the Reds go marching in.» Allerdings ist es dann der FC Thun, der in rot einmarschiert – Stoke City spielt in dunkelblau.

Hart wie Stålhammar

Thun übernimmt das Szepter und ist von Beginn weg das bessere Team, wie bereits in den Heimspielen gegen Vllaznia und Palermo. Auf der rechten Seite wirbeln Christian Schneuwly und Beni Lüthi – Chrigu, nimm mi mit in den gegnerischen Strafraum. In Führung geht aber Stoke City in der 19. Minute durch einen Schuss des freistehenden Danny Pugh von der Strafraumgrenze in die linke untere Ecke. Dies bringt Thun-Coach Bernard Challandes bereits zum ersten Mal in Rage, denn er und seine Mannen hatten davor ein Foul von Walters an Schindelholz gesehen: Aues wär so liecht, wenn nur der Schiedsrichter auch ein Thuner wäre. Dieser kommt aber aus Schweden und bleibt hart. Er heisst ja auch Stålhammar.

Es herrscht häufig Vollversammlung im Straf- oder gar im Fünfmeterraum von Stoke City in dieser ersten Halbzeit, verursacht auch durch den ehemaligen deutschen Nationalspieler Robert Huth, der sich einen Fauxpas am anderen leistet, beinahe ein Eigentor produziert und viel Glück hat, dass er nicht vorzeitig mit Gelb-Rot unter die Dusche muss, nachdem er halb tolpatschig, halb aggressiv, Stephan Andrist zum wiederholten Mal ins Gesicht gegriffen hat. Dafür bekommt Bättig eine Gelbe Karte, obwohl er Whitehead im Duell nicht wirklich berührt hatte. Sein Indianer-Ehrenwort, dass er nichts gemacht habe, nützt nichts.

Es gibt auf jeden Fall einigen Diskussionsstoff. Als die beiden Stürmer Lustrinelli und Jones im Streitgespräch nebeneinander herlaufen, fallen aber vor allem die unterschiedlichen Bodies der City- und der Thuner Spieler ins Auge. Zumal Dennis Hediger bei den Berner Oberländern nicht zum Einsatz kommt. Kurz vor der Pause nochmal eine Aktion: Lezcano misunderstood an der Strafraumgrenze den Laufweg von Sturmpartner Mauro Lustrinelli – und dann sind die ersten 45 Minuten auch schon vorbei. Shame!

Sing when you’re winning

Nun tritt der Rock DJ in Aktion und spielt die White Stripes (der Thuner Fanblock singt und hüpft mit), Polo Hofer und Prince, der gerade am Tag davor wieder einmal im Hallenstadion seine Künste zum Besten gegeben hatte.

Die Thuner werfen dem Stoke-Fanblock fehlende Treue und Leidenschaft vor: «Sing when you’re winning, you only sing when you’re winning.» Da mögen sie wohl Recht haben, dafür haben die Fans der «Potters» musikalisch einiges drauf, wenn sie mal in Fahrt kommen. Sie geben auch komplexe klassische Stücke zum Besten – es klingt im Stadion zeitweise wie bei einer Chorprobe der Thuner Kantorei. Als Intermezzo waren dabei immer wieder die Thuner lautstark mit einem Pfeifkonzert (in Moll) zu vernehmen, wenn der Stoke-Keeper Sörensen die Zeit verzögerte.

Let me entertain you

Bereits in der 50. Minute nimmt der City-Manager Tony Pulis seinen Deutschen Verteidiger Robert Huth, der hat drei Ecken (verursacht) aus dem Spiel. Dieser produzierte davor mehrere Male somethin‘ stupid, lief Gefahr, immer mehr zum Gespött des Heimpublikums zu werden und war zudem massiv gelb-rot-gefährdet. Experten stellten sich wie schon öfters die Frage: Wie in aller Welt ist dieser Spieler zu 19 Länderspielen für die deutsche Nationalmannschaft gekommen? Selbst zu Katsche Schwarzenbecks Zeiten hätte es sowas nicht gegeben.

Das Heimteam wurde derweil in der zweiten Halbzeit immer dominanter, richtig strong – Stoke City zog sich immer mehr zurück, mit den vordersten Spielern nur unweit von der eigenen Strafraumgrenze entfernt. Challandes sah ein Tripping an seinem Aussenverteidiger Reinmann im gegnerischen Strafraum, das nicht gepfiffen wurde. Lüthi, Schneuwly und Lezcano produzierten rechts im Strafraum something beautiful – aber Captain Shawcross konnte abwehren. Der Verlauf der Partie begann immer mehr dem Vllaznia-Heimspiel zu ähneln. Vor dem City-Tor wurde ein Corner-Festival aufgeführt, mit Beni Lüthi als Dirigent, der trotz gebrochener Rippe so gut wie alle Thuner Standards trat, von links, wie von rechts: «Let me entertain you!».

Uf u dervo

Pulis feuerte derweil bei einem der wenigen Entlastungsangriffe seines Premier-League-Teams den Flügelspieler Etherington von der Seitenlinie aus an, als wäre der ein Rennpferd in Ascot – es nützte: Etherington tunnelte prompt seinen Gegenspieler und kam für einmal vorbei.

Im Gegensatz zum Vllaznia-Spiel brachten die Einwechslungen von Bernard Challandes diesmal nichts mehr. Speziell Sanogo stellte sich in jeder seiner Aktionen so ungeschickt an, als würde er absichtlich schlecht spielen. Das brachte Challandes und manchen Thuner Fan zur Verzweiflung: «I hope I’m old before I die.» Zum Ende gabs nochmal ein Thuner Powerplay – «Hopp Thun! Hopp Thun!» –, bei dem auch Torhüter Da Costa mitspielte. Leider machte er den einen Haken zu viel und sah nach seinem Ballverlust gegen Walters Rot.

Als dann Aushilfs-Keeper Andrist ganz zum Schluss das Duell gegen den nach einem Fehler von Schindelholz uf u dervo stürmenden Walters gewann, war die Stimmung im Stadion trotz Rückstand auf dem Höhepunkt angelangt.

Carry me home

Die englischen Fans freuten sich aber bereits auf die Heimreise mit «Swing low, sweet chariot, coming for to carry me home», wobei anzunehmen ist, dass die meisten von ihnen trotz allem das Flugzeug für die Heimreise benutzten und bereits vor dem Aufgang der Morning Sun am nächsten Tag wieder zu Hause waren. Robbie Williams feierte den Sieg übrigens mit Sicherheit nicht mit, denn er unterstützt den Lokalrivalen Port Vale.

Und zum Schluss eine kleine Quiz-Frage: Wie viele Songtitel von Gölä und Robbie Williams sind in diesem Text versteckt? Antworten können im Kommentarfeld abgegeben werden.

Gölä eröffnet übrigens die Arena Thun musikalisch zusammen mit weiteren Grössen aus der singfreudigen Region (Polo Hofer, Hanery Ammann, Philipp Fankhauser und Trauffer) am Samstag, 3.September.

Bild: fcthun.ch.

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Kommentare  

 
#4 2011-08-22 06:58
Robbie Williams hat mit Stoke City überhaupt nichts am Hut Ihr Banausen.
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#3 2011-08-21 10:40
sehr schön geschrieben hopp thun
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#2 2011-08-20 13:15
Sehr originell! Komme auf 9x Gölä und 10x Robbie... Dürften wohl noch mehr sein....
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#1 2011-08-20 12:12
Toller Artikel
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