Mit dem Kopf durch die Wand

Der Ausschluss des FC Sion aus der Europa League ist der vorläufige Höhepunkt einer juristischen Posse, bei der kein Ende in Sicht ist. Ein Verlierer steht jetzt schon fest: der Schweizer Fussball.

UEFA-Urteil schockt Sion

Am Freitag Abend platze die Bombe: Der FC Sion fliegt aus der Europa League. Die Kontroll- und Disziplinarkammer der UEFA entschied, den Wallisern die Teilnahme an der Gruppenphase zu verweigern. Das Team von Trainer Laurent Roussey hatte sich nach einem 3:1-Heimsieg gegen Celtic Glasgow erstmals für die Europa League qualifiziert – scheinbar vergebens.

Die Sion-Fans sind geschockt. Nur einer beeindruckt das Urteil wenig: Christian Constantin. Der Sion-Präsident bläst zum Gegenangriff und kündigt erneut den Gang vors Zivilgericht an. Für das Urteil hat er nur Spott übrig: «Das war ein reiner Schauprozess, typisch Uefa!», wettert er im Blick. «Offenbar gehören politische Willkürakte von Bananenrepubliken doch nicht der Vergangenheit an.»

Constantin pokert hoch

Keiner beherrscht die Klaviatur der Justiz so gekonnt wie Constantin. Der exzentrische Walliser hat schon etliche Rechtstreits ausgefochten, meist war er am Ende siegreich. Im Wallis herrscht deshalb trotzdem Hoffnung, dass CC und seine Armee von Anwälten die Sache noch zum Guten wendet. Doch vieles spricht dafür, dass sich der Architekt aus Martigny diesmal gründlich verzockt hat.

Streitpunkt ist das Transferverbot, dass die FIFA nach der unrechtmässigen Verpflichtung von Torhüter El Hadary gegen den FC Sion verhängt hat. Den Wallisern wurde untersagt, während zwei Transferperioden Spieler zu verpflichten. Ein Blick auf die Transferaktivitäten des FC Sion genügt, um zu erkennen, dass der Verein das Verbot nicht eingehalten hat. Constantin sieht das anders. Sein Club habe die Sperre «in Raten» abgesessen. Konkret heisst dies wohl, dass CC die einzelnen Monate, in denen keine Spieler verpflichtet wurden, zusammenzählt und so auf die nötige Zeitspanne kommt. Eine wacklige Argumentation, die vor Gericht kaum standhalten wird.

Weitere Forfait-Niederlagen in Europa League drohen

Kein Gericht hat dem FC Sion bisher recht gegeben. Constantin erwirkte zwar vor dem Zivilgericht in Martigny per superprovisorische Verfügung, dass die Sittener Neuverpflichtungen vorläufig spielberechtigt sind. Das eigentliche Urteil steht aber noch aus, und vieles spricht dafür, dass auch dies zu Ungunsten der Walliser ausfallen wird.

Wer Constantin kennt, weiss, dass er den Fall bis zum bitteren Ende weiterzeihen wird. Als erster Schritt will er erneut über den zivilgerichtlichen Weg eine superprovisorische Entscheidung herbeiführen, dass der FC Sion doch an der Gruppenphase der Europa League teilnehmen kann. Doch selbst falls dies gelingt, liegt es auf der Hand, dass auch die weiteren Gegner auf europäischer Ebene nur unter Protest antreten werden. So müssten die Walliser damit rechnen, dass auch die nächsten Spiele im Nachhinein mit 0:3 Forfait gewertet werden.

Steht der Meister Ende Saison noch nicht fest?

Auch für die Super League bedeuten die jüngsten Entwicklungen nichts Gutes. Mehrere Vereine sind gegen den FC Sion unter Protest angetreten und hoffen auf einen nachträglichen Forfait-Sieg. Setzen die Walliser die neuverpflichteten Spieler weiterhin ein, droht das endgültige Chaos. Denn sollte das Zivilgericht gegen CC entscheiden, zweifelt wohl niemand daran, dass der kampfeslustige Walliser den Fall bis vor Bundesgericht weiterzieht. Es wird deshalb wohl noch Monate dauern, bis das endgültige Urteil gefällt wird. So könnte es sein, das bei Saisonende weder Absteiger noch Meister definitiv feststehen. Es wäre der Worst Case für den Schweizer Fussball.

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