Magere Jahre für den Rekordmeister

So erfolgreich die Grasshoppers in ihrem 125-jährigen Bestehen waren, so trist präsentiert sich ihre aktuelle Situation. Drei Geschichten aus dem Jubiläumsjahr zeigen exemplarisch, wie es um den GCZ auf und neben dem Platz steht.

1. Urs Linsi: «GC hat in Zürich keine Heimat mehr»


Das Jubiläumsjahr begann für den GCZ mit einem Paukenschlag: Man habe den Mietvertrag für den Letzigrund aufgelöst, verkündete der damalige Präsident Urs Linsi am 5. Januar 2011. Ob beabsichtigt oder nicht, Linsi löste damit ein gewaltiges Echo aus. Die Geschichte vom möglichen Wegzug der Grasshoppers nach Aarau oder Emmenbrücke beschäftigte die Medien monatelang und schaffte es bis nach Amerika und Brasilien. Empört reagierten auch die eigenen Fans, es kam zu einer Unterschriftensammlung und einem gemeinsamen Krisengipfel im Zürcher Zunftsaal zur Schmiden. Schliesslich einigten sich GC und die Stadt im März auf eine Reduktion der Letzigrund-Miete.

Warum das ganze Stadion-Theater? Die Geschichte zeigt zwei Hauptprobleme der Grasshoppers auf: Einerseits ist das unbeliebte Stadion Letzigrund für Fussballspiele absolut ungeeignet und deshalb eine grosse Hypothek. Bei den meisten GC-Heimspielen kommt nur in der Kurve wirklich Stimmung auf, im restlichen Stadionrund herrscht Tristesse statt Fussballfest. Andererseits zeigt sie, wie prekär die finanzielle Lage des GCZ ist. Linsi war gezwungen, den Sparhebel wo immer möglich anzusetzen. Man durfte ihm glauben, wenn er sagte, dass er sich den Umzug nach Aarau nur überlege, da es «um das nackte Überleben des Clubs» ging.

Mittlerweile garantiert der neu gegründete «Owners Club», dass GC die kommenden Jahre finanziell etwas weniger prekär dasteht. Doch es bleibt weiterhin sehr wenig Spielraum für Investitionen und Transfers. Und das neue Stadion lässt noch Jahre auf sich warten.

2. Innocent Emeghara:  «Ich muss diese Chance packen»


Im ersten Spiel im Jubiläumsjahr ging sein Stern auf: Innocent Emeghara besiegte den FC St. Gallen beim 4:1 auswärts fast im Alleingang. Von da an war der Stürmer, der anfangs Saison höchstens als Verlegenheitslösung gegolten hatte, wichtigste Stütze im GC-Angriff. Er blieb es bis im August – danach zog es ihn bereits weiter nach Lorient, in die französische Bretagne. GC liess ihn ziehen, man brauchte das Geld.

Der Fall Emeghara ist ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr GC leidet. Man hat sich der «House of Talents»-Strategie verschrieben, möchte die beste Nachwuchsabteilung der Schweiz aufbauen. Doch dies allein kann keinen Erfolg bringen, wenn die jungen Spieler, sobald sie auf Super-League-Niveau genügen, gleich wieder abspringen. GC fehlen die Argumente, die Spieler an den eigenen Club zu binden. So galt es im Sommer auch die Abgänge der langjährigen Stammkräfte Salatic (zu Nikosia) und Voser (Basel) zu verzeichnen.

Dennoch: Dem Grasshopper Club gelingt es immer wieder, junge Talente zu formen und an die Super League heranzuführen. Verstärkt mit einigen Routiniers könnte daraus durchaus eine überzeugende Mannschaft entstehen. Doch gerade die erfahrenen Spieler waren in diesem Jahr keine grosse Verstärkung mehr, da sie entweder langzeitverletzt (Cabanas, Callà) oder nicht in Form (Smiljanic, Vallori) waren. So bleiben die Führungsaufgaben mittlerweile an Spielern wie Toko (21) oder Zuber (20) hängen.

3. Roland Leutwiler: «Mit den Fans müssen wir eine andere Sprache reden»


Einschneidende Momente im Jubiläumsjahr waren zwei Derbies gegen den Stadtrivalen FCZ. Das eine ging im August gleich mit 0:6 verloren und deckte die sportlichen Defizite der unerfahrenen GC-Truppe schonungslos auf. Das zweite ging als «Schande von Zürich» in die Geschichte ein. Es musste wegen Fanausschreitungen abgebrochen werden. GC-Präsident Roland Leutwiler machte sich danach mit seinem Alleingang für eine «Nulltoleranz» bei Pyros in der gesamten Schweiz lächerlich, indem er einen sofortigen Spielabbruch forderte, sobald Pyros gezündet werden.

Leutwiler hatte das Zepter im Grasshopper Club im April übernommen und präsidiert auch den «Owners Club», den finanziellen Rückhalt der Grasshoppers. Von Fussball versteht er freilich nicht allzu viel, wie er auch offen gesteht. Um den Rückhalt bei den eigenen Fans war es deshalb von Anfang an nicht gut bestellt. Je mehr Leutwiler in den Medien für seine «Pyro-Nulltoleranz» warb, desto hämischer reagierten die eigenen Anhänger. Im letzten Hinrundenspiel gegen Lausanne kam es schliesslich zum endgültigen Zerwürfnis: Die Fans zündeten das «Schlussbouquet zum Jubiläumsjahr», worauf Leutwiler seine Drohung wahrmachte und die eigene GC-Fankurve beim ersten Rückrundenspiel sperren wird.

Diese Entwicklung ist besonders gefährlich für GC. Denn die Fans bilden ein wichtiges Kapital für den Rekordmeister. Trotz langjähriger sportlicher Durststrecke und widrigen Umständen sind viele eingefleischte Fans dem Club treu geblieben und bieten der Mannschaft vor allem auswärts – ausserhallb des verhassten Letzigrunds – grandiose Unterstützung.

Düsteres Fazit

Linsis Letzigrund-Schwank, Emegharas schneller Wechsel, Leutwilers unbeholfenes Vorgehen gegen die eigenen Fans – es sind drei Geschichten, die nur ein bitteres Fazit zulassen: Um die Grasshoppers sieht es 125 Jahre nach der Gründung und 9 Jahre nach dem letzten Meistertitel düster aus. Das nun zu Ende gehende Jubiläumsjahr stellt dabei keineswegs einen Tiefpunkt dar, sondern die erschreckende Normalität, die auch in den kommenden Jahren nur eines heisst: Überlebenskampf, sportlich wie finanziell.

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Kommentare  

 
#6 Willi 2012-01-10 15:10
zitiere GC Fan:
alles korrekt, schade nur dass du ausschlieslich über Negativerlebnis se schreibst, hilft auch nicht viel weiter...


Was gabs positives?
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#5 Res Kehle 2012-01-04 19:16
Schaurig, wie GC dahin vegetiert. Die Vereinsführung ist fussballerisch nicht kompetent: Man liest: "Wir setzen weiterhin (nur) auf die Jungen", und dann : "In drei Jahren sind wir wieder an der Spitze". Diese zwei Aussagen schliessen einander aus!
Immerhin ist vorläufig finanzielle Stabilität erreicht, wie es scheint. Nur wundert mich, dass nicht einige der oft erwähnten "vermögenden alten GC-Fans" Geld locker machen, um wenigstens eine oder zwei Verstärkungen zu holen - oder einen starken Spieler bei GC zu halten. Ianu wäre zu haben gewesen - nun spielt man halt weiterhin ohne einen einzigen gefährlichen Stürmer.
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#4 Kalkbreite 2012-01-04 17:18
zitiere GC Fan:
alles korrekt, schade nur dass du ausschlieslich über Negativerlebnis se schreibst, hilft auch nicht viel weiter...

Na ja... mir eigentlich egal. Hatte lange noch so etwas wie "Sympathien" für den zweiten Zürcher Klub, sprich, lieber GC als Basel oder lieber GC als Luzern, Sion etc. Aber irgendwie wurden da letzte Saison ein paar Sachen vermischt und das Gesülze vom nichtabsteigbar en GC gab mir den Rest. Heute: lieber Sion oder Luzern oder Genf etc. vor GC. Wie oben erwähnt: GC braucht weder Hilfe noch die SL. Und auf die Derbys kann ich auch verzichten - bald kommt ein neuer Klub...
PS: nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen die GC-Fans, aber der Klub hat sich einfach selber abgeschafft. Und eigentlich ist das gut so...
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#3 josch 2012-01-03 13:29
Emeghara wurde übrigens vom FCZ grossgezogen und kam dann erst über Winterthur zu GC (Soviel zum Thema starke junioren ausbildung )
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#2 grufcz 2011-12-30 21:43
was will man denn positives schreiben? höchstens, dass die gc führung (auch) an einem erfolglosen trainer festhält.
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#1 GC Fan 2011-12-30 20:38
alles korrekt, schade nur dass du ausschlieslich über Negativerlebnis se schreibst, hilft auch nicht viel weiter...
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