Baila, baila, Moreno!

Moreno Costanzo ist ein Künstler unter den Fussballern. Bei YB wartet er noch auf seinen grossen Exploit. Gelingt ihm dieser, könnte er in Bern zu einem der wichtigsten Spieler werden.

DaVinci, Picasso, Costanzo

Es gibt nicht allzu viele von ihnen, und doch hat YB einen in seinen Reihen: einen Künstler, der den Ball liebt ̶  und der Ball liebt ihn. Künstler sind die, deren Gegner man sagen möchte, dass sie doch etwas aus dem Weg gehen sollen, damit er spielen kann, seine Kunst zeigen kann. Moreno Costanzo ist ein Fussballer, der das schöne Spiel zelebriert: Überblick, Pässe und Standardsituationen sind seine Stärken. Nicht sehr kopfballstark, aber mit einem unglaublichen rechten Fuss, holt er hohe Bälle, wenn irgendwie möglich sofort zurück auf den Boden. In guter Form könnte er YB in die Tiki-Taka-Zeiten zurückführen. Dennoch wurde der Ostschweizer in den zwei Jahren in Bern nicht zu einem absoluten Leistungsträger, nicht zum Gehirn der Mannschaft. Noch nicht.

Später Durchbruch in St. Gallen

Von 2006 bis 2010 spielte Costanzo beim FC St. Gallen. Erst in der Saison 2008/09 wurde er im Mittelfeld anstelle des Sturms aufgestellt und setzte sich in der ersten Mannschaft durch. Nach dem Aufstieg, zu welchem Costanzo einen wichtigen Teil beitrug, verweilte er noch ein Jahr bei den Espen, danach entschied er sich, trotz Interesse aus dem Ausland, für einen Transfer zu den Berner Young Boys. Nicht nur höhere Ambitionen, sondern auch ein grösserer Konkurrenzkampf warteten bei YB auf den damals 22-Jährigen. Und wie YBs, so waren auch Costanzos Leistungen in den letzten beiden Jahren inkonstant; sie reichten von unauffällig bis sehr gut. Noch kein Trainer setzte bedingungslos auf den Spielmacher; Mittelfeldpartner Farnerud steht auf dem Platz und Costanzo wird irgendwo neben ihm aufgestellt.

Farnerud/Costanzo

Ein halbes Jahr nach Moreno Costanzo kam Alexander Farnerud zu YB. Der Schwede war sofort Publikumsliebling und auch Petkovićs erste Wahl. Der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Technikern wurde von den Medien hochstilisiert. Sie selbst sagten immer, dass sie gut zusammen spielen können. Nach Petković folgte die Ära Gross. Farneruds Formkurve zeigte nach unten, er war aber gesetzt. Costanzo hingegen kam zu mehr Einsätzen als andere Spieler, aber gehörte nicht zum Stammpersonal. Mit der erneuten Umwälzung des Trainerstabes Ende April fand aber auch dieser seinen Weg zurück. Unter Erminio Piserchia blühte er auf  ̶  und wie: Im letzten Spiel gegen den FC Basel zeigte er wohl eine der besten Partien als Young Boy.

Talent

Unter Ottmar Hitzfeld kam Costanzo zu seinem Nationalmannschafts-Debüt. Als Nachfolger von Hakan Yakin wurde er gehandelt, obwohl er lieber etwas weiter hinten spielt als der jüngere Yakin-Bruder. Doch auch in Länderspielen erhielt er noch nicht viel Vertrauen. Als grosses Schweizer Talent gepriesen, folgte bei YB, wie bei vielen anderen Spielern, ein Rückschritt. Bliebe Costanzo ein ewiges Talent, wäre das für seine Veranlagung und den Schweizer Fussball sehr schade. Gerade die Nati würde etwas Kreativität vertragen.

Durchbruch bei YB?

Costanzo kann in der Offensive auf vielen Positionen spielen. Klar ist, dass ein Spieler, dessen Spezialität der Pass ist, besser etwas zentraler aufgehoben ist, da er dann mehr Anspielstationen zur Verfügung hat. Für die Young Boys wäre es sicher gut, wenn Costanzo auch in Bern mehr Verantwortung übernehmen dürfte, in St. Gallen bekam er das Vertrauen und revanchierte sich mit grossartigen Leistungen. Martin Rueda scheint auch wirklich auf das Duo Costanzo/Farnerud setzten zu wollen, bis dahin mit mässigem Erfolg. Dennoch führt praktisch jede schnelle Ballstafette über den schweizerisch-italienischen Doppelbürger. Es wäre sicher auch eine Überlegung wert, Farnerud als defensiven Mittelfeldspieler einzusetzen und Costanzo als Regisseur davor. Farnerud ist technisch versiert, ein robuster und aggressiver Fussballer und holt sich die Bälle sowieso weit hinten, Moreno Costanzo könnte die Bälle in der Offensive verteilen. Spektakel wäre garantiert. Dass er ein Leader sein kann, hat er bereits mit 21 Jahren bewiesen, wieso sollte er nicht mit 24 Jahren das Kommando bei YB übernehmen?

Bild: ybforever.ch

 

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