Brennpunkt Pyros |
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Trotz massiver Drohungen der Clubs zündeten FCL- und GC-Fans Pyrofackeln – und provozierten so die Eskalation. Wieso ist das Abbrennen von Pyros für einige Fans so wichtig? Ein Erklärungsversuch. Fans provozieren Vereine Samstagnachmittag in Basel. Im St.-Jakob-Park läuft der Spitzenkampf zwischen dem FC Basel und Luzern. Im Gästesektor zünden FCL-Fans mehrere Pyrofackeln. Dazu rollen sie ein Plakat aus mit der Aufschrift: «Fankultur – ja oder nein? Wir brennen auf deinen Entscheid». Die Eskalation ist perfekt. Die FCL-Bosse hatten nämlich angedroht, bei einer weiteren Pyro-Aktion ein Fahnen- und Doppelhalterverbot einzuführen und Beiträge für die Fanarbeit zu kürzen. Das Ende ist bekannt: Der FCL zog die Massnahmen knallhart durch, die Fans reagierten mit einem Stimmungsboykott. Die Fronten sind verhärtet, eine Lösung ist nicht in Sicht. Sonntagnachmittag in Lausanne. Im Kellerduell zwischen Lausanne und den Grasshoppers zünden GC-Fans Pyros – bereits zum zweiten Mal. Hoppers-Präsident Roland Leutwiler verliert die Nerven, schreit ins Stadion-Mikrofon: «Das ist totale Scheisse! Wenn jetzt noch eine Pyro gezündet wird, dann ist im ersten Heimspiel der Rückrunde die Fankurve zu.» Die Fans zeigen sich unbeeindruckt. Nur wenige Minuten später brennen weitere Fackeln. GC macht seine Drohung war – beim nächsten Heimspiel bleibt die Fankurve geschlossen. «Das Zünden von Pyros ist keine Gewalt» Die Beispiele zeigen deutlich: Auch unter massivem Druck sind einzelne Fangruppen nicht bereit, auf Pyros zu verzichten. Und das, obwohl sie in den Schweizer Fussballstadien verboten sind. Im Hooligan-Konkordat, das seit 1. Januar 2010 in Kraft ist, heisst es: «Als gewalttätiges Verhalten gilt ferner die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit durch das Mitführen oder Verwenden von Waffen, Sprengmitteln, Schiesspulver oder pyrotechnischen Gegenständen an Sportstätten, in deren Umgebung sowie auf dem An- und Rückreiseweg.» Schon der Besitz von Pyrofackeln wird also mit Gewalt gleichgesetzt. Jörg Häfeli, Präsident der Kommission für Prävention und Fanarbeit der Swiss Football League, hält dies für unangebracht. «Das Zünden von Pyrotechnik ist für mich keine Gewalt, solange sie nicht geworfen werden», sagt Häfeli. «Für viele Fangruppen gehört das Abbrennen von Pyros zur Fankultur und ist zum Symbol des Protestes geworden.» Ausdruck von Freude und Emotion Warum sind einige Fans bereit, die Situation derart eskalieren zu lassen, nur um Pyros zu zünden? Antworten liefert ein Beitrag der Ultragruppierung Red Kaos aus Zwickau. In ihrem Fanmagazin schreiben sie: «Pyrotechnik ist ein unverzichtbarer Teil der jahrelang gewachsenen Fankultur. Bereits in den 80er und 90er Jahren wurden Tore in den Kurven mit Bengalen gefeiert und in ein rotes Licht getaucht. Sie ist Ausdruck von Freude und Emotion. Jeder, der das entscheidende Tor in der Nachspielzeit einmal miterlebt hat, wird genau wissen, was den besonderen Reiz von Pyrotechnik in solchen Momenten mit sich bringt.» Auch die Ultragruppierung Cattiva Brundsviga aus Braunschweig nimmt in ihrem Fanmagazin Stellung zu der Bedeutung von Pyros: «Pyrotechnik ist in unseren Augen ein traditionelles Stilmittel der Fankultur, dass für uns zum Fussball genauso dazugehört wie Fahnen, Doppelhalter und Freiräume, in denen wir uns ausleben können. [...] Sie verkörpert Leidenschaft, die für uns unabdingbar zum Fussball dazugehört. Wir wären uns selbst nicht treu, wenn wir uns sträuben oder wehren würden, Bengalische Feuer zu zünden. Diese Emotion ist schwer mit Worten zu beschreiben, man muss es selbst erleben, ein Teil des Ganzen sein, um ansatzweise zu verstehen, warum wir dieses Stilmittel so fanatisch lieben.» Gefährlicher Konfrontationskurs Den Verzicht von Pyrotechnik setzen gewisse Fans mit den Verrat ihrer eigenen Ideale gleich. Es steckt also mehr hinter dem roten Feuer, als gewisse Vereinsführungen wahrhaben wollen. Der derzeitige Konfrontationskurs vom FCL und von GC ist kontraproduktiv. Weil sie Pyros als wichtigen Bestandteil ihrer Fankultur sehen, werden gewisse Fangruppierungen auch in Zukunft Fackeln zünden – angedrohte Konsequenzen hin oder her. Getrieben von der vorherrschenden Hysterie in den Medien lassen Walter Stierli und Roland Leutwiler die Situation durch Kollektivstrafen unnötig eskalieren und provozieren so weitere Gegenmassnahmen der Fans. |
Der FC Basel dominiert die Meisterschaft seit einem Jahrzehnt. kurzpass.ch blickt auf die erfolgreichsten Jahre der Clubgeschichte zurück.
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Kommentare
Damit ist meiner Meinung nach alles gesagt. Grüße nach Braunschweig!
So gesehen ist die Luzerner Pyroaktion in Basel mit lediglich 5 Fackeln auch vielmehr als symbolische Aktion zu verstehen, die klar zu Ausdruck bringt, dass Erpressungsvers uche von Seiten des Vereins, Kollektivstrafe n und eine Schwächung der Fanarbeit von der Kurve niemals akzeptiert werden wird.
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