Déjà-vu in Genf

Bei GC hat sich seit dem verlorenen Derby viel getan. Am Resultat hat sich – zumindest kurzfristig – aber nichts geändert. Beim Gastspiel in Genf setzt es eine 1:3-Niederlage. Zwei Rekordmeister auf der Suche nach der Balance – auf und neben dem Platz.

Neues GC – gleiches Resultat

Im Traditionsduell der beiden Rekordmeister präsentierte GC-Coach Ciriaco Sforza in Genf ein neues GC. Das Resultat ist aber ein Déjà-vu: eine vermeidbare Niederlage. Im Vergleich zum Derby vor Wochenfrist traten die Zürcher mit einer auf nicht weniger als acht (!) Positionen veränderten Startformation an. Nur zwei Posten sind beim GCZ Ausgabe 2012 in Stein gemeisselt: Roman Bürki im Tor und Johann Vogel zentral auf der 6er-Position im Mittelfeld. Dazu spielte auch De Ridder erneut von Beginn, allerdings diesmal vorwiegend auf dem Flügel.

Am Schluss steht Johann Vogel nicht mehr auf dem Platz. Er war in der Pause angeschlagen ausgewechselt worden. Dies war für den Ex-Nati-Captain, der sich selbst als Ur-Hopper bezeichnet, besonders bitter. Er spielte mit seinem Verein in seiner Stadt. Und dies gut. In der zweiten Halbzeit rückte Toko zurück auf Vogels Position. Die Hoppers hinterliessen in der Ersten Halbzeit auf schwierig bespielbarem Terrain einen engagierten Eindruck. Der Wille und die Spielfreude waren da. Es wurde viel gelaufen, die Räume eng gemacht und wenn immer möglich schnell kombiniert. Die Solidarität im Team war hoch – es wurde viel rotiert und dem Nebenmann geholfen, wenn dieser in Schwierigkeiten war.

Das spezielle Déjà-vu von Davide Callà

Mit Davide Callà und Boris Smiljanic feierten gleich zwei lange abwesende Leistungsträger ihr Comeback, und wurden beide über die vollen 90 Minuten belastet. Für Callà war es auch noch aus anderem Grund eine spezielle Partie. 2004 wars, und das Stade de Genève gerade ein Jahr alt, als der damalige Servette-Präsident Marc Roger den talentierten, frisch gebackenen Cupsieger Davide Callà vom FC Wil als einen von nur zwei  Schweizer Spielern in einer wilden Transferkampagne mit insgesamt 20 Neuzugängen aus der ganzen Welt verpflichtete.

Callà spielte eine gute Vorrunde im Dress der Grenats. Der Konkurs Servettes war ein Bruch in Callàs bis dahin steiler Karriere. Anstatt von Genf aus den nächsten Schritt machen zu können, musste er Hals über Kopf das nächstbeste Angebot aus St.Gallen annehmen. Später kamen dann auch noch Verletzungen dazu. Die aktuellen Schlagzeilen rund um die finanziellen Schwierigkeiten des Servette-Präsidenten Pishyar sorgen beim Winterthurer natürlich für ein weiteres Déjà-vu: «Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich zur Zeit auf der anderen Seite bin, und das Ganze etwas aus der Distanz betrachten kann. Das sind schwierige Momente. Ich kann gut mitfühlen mit den Kollegen bei Servette. Ich hoffe aber, auch für den Schweizer Fussball, dass sich dies alles schnellstmöglich klärt.»

Servette im Popularitätshoch – im Hockey

Während die 22 Männer auf dem Feld auf das runde Leder fokussiert sind, düst der Mannschaftsbus des ebenfalls nach dem Genfer Stadtquartier Servette benannten Hockeyclubs auf der Schnellstrasse hinter dem Stadion durch. Der Hockeyclub befindet sich trotz schwieriger sportlicher Situation in einem absoluten Popularitätshoch und beweist, dass sich auch das internationale Genf für einen lokales Sportteam begeistern lässt. Sowohl der Fussball- wie auch der Hockeyclub sind in ausländischem Besitz und werden von Ausländern geführt. Vergleicht man aber lokale Präsenz und Öffentlichkeitsarbeit von Chris McSorley auf der einen, und dem Duo Pishyar/Costinha auf der anderen Seite, so ist dies ein Unterschied wie Tag und Nacht.

In Genf ist die Seele und der Motor des Hockeyclubs zu spüren. Beim Fussballclubs wirkt alles etwas improvisiert und inkohärent. Obwohl es auch da durchaus die langjährigen Mitarbeiter gibt, die «guten Seelen» des Vereins. Beispielsweise der unverwüstliche Medienchef Didier Rieder. Dieser geht zu besonderen Anlässen auch schon mal mit dem Mikro aufs Spielfeld und schmettert in Konzertqualität solo aus voller Kehle ohne instrumentale Begleitung die Genfer Hymne «Ce qu’è lainô» in franko-provenzalischem Dialekt. Das gibt es nur in Genf. Man stelle sich FCB-Medienchef Josef Zindel vor, wie er in den Mittelkreis schreitet und mit Pathos und Ostschweizer Akzent zwei Strophen von «Z’Basel a mym Rhy» in die Arena schmettert. Oder FCZ-Medienchef Giovanni Marti «Mis Dach isch de Himmel vo Züri». Oder YBs Albert Staudenmann «Än ächte Bärner Giel, dä isch für YB.»

Boris Smiljanic – schafft ers nochmal?


Für Entrüstung sorgt bei den zahlreich angereisten GC-Fans, dass die Genfer Stadiontechnik bei der Präsentation der Aufstellungen Taulant Xhaka im rotblauen FCB-Trikot einblendete. Die Leistung des Baslers liess dann aber keinen Raum für Entrüstung mehr. Durch seinen gelungenen Teileinsatz im Derby verdiente er sich den Platz in der Startaufstellung und gehörte auch in Genf zu den besten Hoppers. Paulo Menezes, mit den Sforza nicht zufrieden ist, musste auf der Bank schmoren.

Während Callàs Comeback einigermassen ansprechend verlief, präsentierte sich der andere Rückkehrer Boris Smiljanic weit von seiner früheren Bestform entfernt. So ist die GC-Abwehr keine Mauer, die einen Vergleich mit der schroffen verschneiten Felswand des Salève hinter dem Stadion rechtfertigen würde. Sogar Johann Vogel ist Smiljanic bezüglich Fitnesszustand zur Zeit weit voraus. Die GC-Fans fragen sich bange, ob ihr Abwehrturm je nochmals eine gute Rolle spielen wird. Oder wird er in den nächsten Monaten Ricci Cabanas in die Fussballerrente folgen?  Als Vorbild könnte dabei Mauro Lustrinelli dienen. Dieser hat während der Vorrunde selbst gemerkt, dass es ihm auf Super League-Niveau nicht mehr ganz reicht. Immer und immer wieder kam er einen halben Schritt zu spät. Für den FC Thun war diese Selbsterkenntnis und der Rücktritt des Tessiners ein Segen. Lustrinelli bleibt in guter Erinnerung und dem Club als Assistenztrainer erhalten, während sein Ersatz Marco Schneuwly nun die Super-League-Stadien unsicher macht.

Nebenkriegsschauplätze

Was GC bei allem Engagement oft noch fehlt, ist manchmal der Fokus aufs Wesentliche, sowohl auf wie neben dem Platz. Ein Feltscher oder De Ridder könnten mehr aus ihren Möglichkeiten herausholen, wenn sie statt zu lamentieren sich darauf fokussieren würden, den nächsten Pass punktgenau zu spielen und im Spiel ohne Ball die Räume richtig zu schliessen. Auch die GC-Führung könnte ihren Teil zur Fokussierung aufs Wesentliche beitragen, wenn sie  nicht wieder wie zum Ende der Hinrunde Nebenkriegsschauplätze (Stichwort: Pyrodiskussion) eröffnen würde, wo sie aufgrund ihrer realitätsfremden und undurchdachten Vorgehensweise nur verlieren kann.

Bild: blauwiis.ch

Anzeige
 

Kommentare  

 
#1 Res Kehle 2012-02-22 13:02
So erfahre ich also auf Kurzpass, dass GC nicht nur schlecht gespielt hat in Genf.
Herr Stocker, sprechen Sie bitte mal mit Herrn Schifferle vom Tagi. Sein Wortschatz erschöpft sich in Sachen GC seit Monaten in den Ausdrücken schlecht, miserabel, lustlos. Früher las man im Tagi differenzierte GC-Matchberichte, heute kann man sich nur noch ärgern oder den TA abbestellen. Und sich im Kurzpass informieren. Danke.
Zitieren
 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

LESENSWERT

Seit zehn Jahren kaum zu stoppen

Der FC Basel dominiert die Meisterschaft seit einem Jahrzehnt. kurzpass.ch blickt auf die erfolgreichsten Jahre der Clubgeschichte zurück.

Werbung

LESER EMPFEHLEN

NEUSTE ARTIKEL

  • Von Schaffhausen auf den Gipfel Europas Von Schaffhausen auf den Gipfel Europas
    Roberto Di Matteo führte den FC Chelsea als Interimstrainer in den morgigen Champions-League-Final gegen den FC Bayern. Noch ein Sieg, und der gebürtige Schweizer wäre auf Europas Thron angelangt.
  • Eine Region im Tal der Tränen Eine Region im Tal der Tränen
    Alles hatte so gut angefangen. Am Schluss war für die Luzerner ausser Spesen nichts gewesen. Die Sandoz-Trophäe findet erneut nicht den Weg in die Zentralschweiz. Unser Redaktor begleitete den Luzerner Anhang.
  • Wer holt den begehrten «Kübel»? Wer holt den begehrten «Kübel»?
    Im mit Spannung erwarteten 86. Schweizer Cupfinal duellieren sich mit dem FC Basel und dem FC Luzern die beiden erfolgreichsten Teams der Saison. Trotz klar verteilter Favoritenrolle dürfen sich die Innerschweizer Chancen auf die Trophäe ausrechnen.

FACEBOOK & TWITTER