Heisst die Lösung 50+1? |
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Neuchâtel Xamax wurde die Lizenz entzogen. Hauptschuldiger an dem Debakel ist Bulat Tschagajew – aber nicht nur. Auch die Gesetzgebung hätte den «Fall Xamax» verhindern können. Viele Ursachen des Debakels Als Sylvio Bernasconi im Mai letzten Jahres den Traditionsverein Neuchâtel Xamax an den Tschetschenen Bulat Tschagajew verkaufte, ahnten viele Fans bereits Böses. Denn über den neuen Besitzer war nicht viel bekannt, ausser dass er in Zusammenhang mit Ramsan Kadyrow, dem Präsidenten der russischen Teilrepublik Tschetschenien, gebracht wurde. Dieser sieht sich immer wieder mit Entführungs-, Folter- und Mordvorwürfen konfrontiert. Bernasconi hat Tschagajew ohne eingehende Prüfung den Verein verkauft. Denn eine Überprüfung der finanziellen Lage des Tschetschenen hätte wahrscheinlich ergeben, dass dieser nicht so viel besitzt, wie er vorgibt. Bernasconis Handeln war nicht nur naiv, es zeigt auch, dass das Wohl des Vereines für Bernasconi nicht das primäre Ziel war. Hauptsache, er war den von Schulden geplagten Klub los. Auch die Swiss Football League erhält kein gutes Zeugnis. Sie hat im «Fall Xamax» zu lange beide Augen zugedrückt. Aufgrund der Gesetzgebung waren der SFL aber teilweise die Hände gebunden: Eine Verhinderung der Übernahme Xamax' war für sie rechtlich unmöglich. Ein Gesetz, das in Deutschland bereits über ein Jahrzehnt besteht, hätte eine Lösung für das Problem sein können. Zauberformel: 50+1 Seit 1999 existiert in Deutschland die 50+1-Regel. Diese besagt, dass ein Kapitalanleger eines Klubs nie die Stimmenmehrheit eines Vereins erlangen darf. Also müssten mindestens 50% und eine weitere Stimme jemand anderem gehören. Dabei wird nicht unterschieden, ob der andere Besitzer der Verein selbst ist, oder ob dies diverse private Investoren sind. Ein Geldgeber kann zwar mehr als 50% des Kapitals einbringen, besitzt aber in keinem Fall die Stimmenmehrheit. Aber keine Regel ohne Ausnahmen: Weil der VfL Wolfsburg und Bayer 04 Leverkusen schon vor der Einführung der Regelung über 20 Jahre lang denselben Besitzer (VW und Bayer) hatten, gehörte diese dank einer Sonderbewilligung weiterhin den Weltfirmen. Nach erheblicher Kritik seitens Hannover-Präsident Martin Kind wurde diese im Oktober 2011 allerdings abgeändert. Nun besitzt die 50+1-Regel den Zusatz, dass ein Investor einen Verein übernehmen kann, wenn er den Verein bereits mindestens 20 Jahre unterstützt hat. Kritik in Deutschland Vor allem die Fans stehen hinter der 50+1-Regel, da sie das Wohl des Fussballs in den Vordergrund stellt und nicht etwa wirtschaftliche Ziele verfolgt. Einige Funktionäre kritisieren aber, dass ein Investor schwerer gefunden werden kann, wenn er nicht das alleinige Sagen hat. Ebenfalls wird kritisiert, dass die Regelung streng genommen dem EU-Wettbewerbsrecht widerspricht, da der Einfluss von Kapitalgebern eigentlich nicht beschränkt werden darf. Aber da gilt: Wo kein Kläger, so kein Richter. Die Regel bietet kleinere Schlupflöcher und wird somit von einigen Vereinen indirekt umgangen. Dietmar Hopp besitzt von der TSG 1899 Hoffenheim zwar nur 49% der Stimmenanteile, finanziert den Club aber zu 96%. Somit entsteht eine enorme wirtschaftliche Abhängigkeit, die dazu führen kann, dass die Vorstellungen des Investors übernommen werden müssen. Bei RB Leipzig wird die Regel insofern umgangen, da nur sieben Red Bull nahestehende Mitglieder ein Stimmrecht im Verein haben. Nach «Fall Xamax» muss etwas passieren Fakt ist: Einen zweiten Fall einer solchen Übernahme muss jetzt mit allen Mittel verhindert werden. In diesem Jahrhundert verloren wir mit Servette, Lugano, Lausanne und jetzt Xamax bereits vier Mannschaften aus der Super League aufgrund eines Lizenzentzuges. Der ehemalige Liga-Präsident Grimm schlug im November gegenüber dem Schweizer Fernsehen vor, dass die Lizenzvergabe nach Übernahme eines neuen Investors aberkannt wird und die Auflagen neu erfüllt werden müssten. Tatsächlich könnte dies in einigen Fällen den gewünschten Effekt bringen, da unsaubere Geldgeber teilweise abgeschreckt oder früher entlarvt werden könnten. Dies könnte aber auch zur Folge haben, dass ein Club bereits vor der Meisterschaft zwangsrelegiert würde. Dies würde zwar keine Umrechnereien und Punktabzüge nach sich ziehen, behebt das Problem aber nicht. Die deutsche Fussballliga hat mit der 50+1 Regel gute Erfahrungen gesammelt und sprach sich deshalb im letzten Oktober dazu aus, die Regel beizubehalten. Dass diese Regel auch im Schweizer Fussball eingeführt wird, ist allerdings unwahrscheinlich. In der Schweiz scheint das Argument, dass Geldgeber mit dieser Regelung schwerer gefunden werden können, schwer gewichtet werden. Denn für die kleine Schweiz und deren Vereine könnte dies zu einem entscheidenden finanziellen Nachteil werden. Wohl der Vereine oder Wirtschaftswachstum? Dennoch sollte auch hierzulande über die Einführung dieser Regelung nachgedacht werden: Ein Fussballklub stellt einen Nutzen für die gesamte Bevölkerung dar und sollte aus diesem Grund nicht nur einer Person als Spielzeug dienen. Unser nördlicher Nachbar macht es vor. Dort ist der Hauptgrund der folgende: Das Wohl der Vereine ist wichtiger als wirtschaftliches Wachstum. Ist das in der Schweiz denn anders? |
Der FC Basel dominiert die Meisterschaft seit einem Jahrzehnt. kurzpass.ch blickt auf die erfolgreichsten Jahre der Clubgeschichte zurück.
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