Johann schiesst den Vogel ab |
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Hakan Yakin geht, Johann Vogel kommt. In Gedanken ständig unterwegs zwischen Transferbörse und Gerichtssälen hält der vielbeschäftigte Chronist einen Moment inne und notiert sich: Die Super League hat einen neuen Rekordnationalspieler. Die Journalisten können sich nicht beklagen. Interessante Geschichten gibt es in dieser Winterpause rund um die Super League mehr als genug: Der FC Basel steht zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte unter den besten 16 Teams Europas, der FCZ verkauft mit Rekorderlös drei seiner Teamstützen, derweil sich die Besitzer von Sion und Xamax ein Wettrennen um den Rekord bei der Anzahl Gerichtsfälle liefern, in die ein Schweizer Klub jemals gleichzeitig verwickelt war (Inoffizieller Zwischenstand Constantin vs. Chagaev 30:65). Das Comeback des Jahres Mit Hakan Yakin wechselt derweil eine Ikone des Schweizer Fussballs für sechs Jahre über den Gotthard nach Bellinzona. Wenn Yakins Vertrag ausläuft, wird der längste Eisenbahntunnel der Welt zwischen Erstfeld und Bodio bereits mehr als ein Jahr in Betrieb sein. Die ACB will mit dem 87-fachen Nationalspieler als Zugpferd wieder in die Super League aufsteigen, und mittelfristig das erste neue Stadion im Tessin bauen – die Reisezeit dahin wird sich ja bald enorm verkürzen. Hakan Yakin ist aktuell der Rekordnationalspieler aller noch aktiven Fussballer. Dies dürfte sich allerdings bald ändern. Denn gleichzeitig bahnt sich nördlich des Gotthards das Comeback des Jahres an: Johann Vogel ist wieder da! Mit seinen beeindruckenden 94 Länderspielen hat der Ex-Nati-Captain sieben mehr im Palmarès als Yakin (bei zehn Mal weniger Toren: 2 vs. 20). «Er redet und dirigiert zu viel» Unter der Woche ist Vogel beim Test gegen den FC Biel auf dem GC/Campus erstmals nach mehr als zwei Jahren wieder im Einsatz gestanden. Schon nach 20 Minuten war der gebürtige Genfer ziemlich ausser Puste und nach 55 Minuten nahm ihn sein ehemaliger Teamkollege Ciriaco Sforza vom Feld. Der gleiche Sforza, von dem Vogel einmal gesagt hatte: «Er redet und dirigiert zu viel.» Die beiden waren ein Jahr bei GC und sechs Jahre in der Nati Teamkollegen. Die ehrgeizigen Zentralen Mittelfeldspieler verstanden sich neben und vor allem auf dem Platz nicht. Die Schweiz konnte sich in jener Zeit 1998, 2000 und 2002 drei Mal hintereinander für keine Endrunde qualifizieren. Aus dem schwelenden Konflikt wurde ein offener Krach an dessen Ende der damalige Captain Sforza aus der Nati verbannt wurde. Darauf angesprochen, versichern beide, dass sie sich über jene Zeit nun schon lange ausgesprochen hätten. Heute reden und dirigieren beide – einer neben, der andere auf dem Rasen. Vogel übernimmt gegen Biel im 4-3-3 GCs natürlich die Rolle des zentralen, etwas zurückgestaffelten Mittelfeldspielers – vor ihm halblinks Pavlovic, halbrechts Toko, auf den Flügeln Zuber und Hajrovic, sowie zentral der Portugiese Paiva. «Joao! Joao!», ruft der ballführende Vogel energisch, wenn dieser nicht rechtzeitig entgegen kommt. Vogel hat fünf mögliche Anspielstationen und variiert dabei das kurze Anspiel im Mittelfeld mit Seitenwechseln auf die Flügel und langen Bällen in die Spitze. Der Routinier sorgt dafür, dass er immer anspielbar ist, und er nimmt jeden Ball ernst. Auch Dreimeterpässe spielt er mit der gleichen Präzision und Ernsthaftigkeit wie einen Freistoss in Strafraumnähe. Gerade in diesem Punkt können sich die jungen, talentierten, aber häufig etwas unfokussierten Spieler GCs von ihm einiges abschauen. Vogel demonstriert, wie wichtig es für den Erfolg ist, die kleinen Dinge gut zu machen. Vogels Nachfolger steht schon bereit Mit Amir Abrashi hat GC bereits denjenigen Nachwuchsmann unter Vertrag, der von seinem Stil und den Qualitäten her im Schweizer Fussball Johann Vogel am nächsten kommt. Nach seinem Kreuzbandriss wird Abrashi allerdings den Start zur Rückrunde wohl verpassen. Er wird sich dafür als Beobachter von aussen von Vogel sicherlich das eine oder andere abschauen können. Der Genfer, der sich in der Region Zürich niedergelassen hat, und hier seine Zukunft sieht, hat nicht zufällig genauso wie sein ehemaliger Nationaltrainer Köbi Kuhn zwei Mal den Halbfinal des Meistercups erreicht. In den Niederlanden bei PSV, wo Johann «F-o-u-ch-e-l» 2001 zum Holländischen Fussballer des Jahres gewählt wurde, hatte er seine beste Zeit. Neben Vogel war gegen Biel auch Davide Callà wieder am Ball und steuerte immerhin einen Assist bei. Die neuen Gesichter Fejzulahi und Déblé agierten hingegen auch im Vergleich mit den GC-Jungtalenten äusserst diskret. Den Vogel schoss aber eindeutig Johann ab. In der 52. Minute klärte Biel-Keeper Walthert einen hohen Ball mit einer Hand aus dem Strafraum und prallte dabei mit seinem Verteidiger De Feo zusammen. Die Situation blitzschnell erfassend skorte Vogel mit einem Lob aus 30 Metern. Diese Idee hätten sicher in dieser Situation auch die meisten seiner jungen Teamkollegen gehabt. Bestechend war aber wiederum die Präzision, dank der sich der Ball gerade so ins Tor senkte, dass der zurückeilende Walthert knapp nicht mehr rankam. Mit Vogel zwei Züge im Vorsprung Schon in der 18. Minute hatte Vogel für die erste grosse Torchance des Spiels gesorgt, als er bei einem langen Ball in die Spitze die vordergründig «falsche» Variante wählte. Paiva und Toko standen an der Strafraumgrenze – Paiva war gut bewacht, Toko stand frei. Jeder andere hätte daher Toko angespielt. Da der Ball allerdings lange in der Luft gewesen wäre, hätte ein Biel-Verteidiger genug Zeit gehabt, sich um Toko zu kümmern. Vogel spielte daher einen hohen Ball auf Paiva, der dank dessen Präzision trotz Bewachung ohne Probleme per Kopf zum immer noch völlig freistehenden Toko ablenken konnte. Den hatten die Bieler vergessen und dies hatte der zwei Züge vorausdenkende Vogel antizipiert. Dass Toko allein vor Walthert die Grosschance nicht nutzen konnte, war dann wieder eine andere Geschichte. Bild: blauwiis.ch |
Der FC Basel dominiert die Meisterschaft seit einem Jahrzehnt. kurzpass.ch blickt auf die erfolgreichsten Jahre der Clubgeschichte zurück.
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