«YB und Lausanne – das ist wie Tag und Nacht»

Alain Baumann hatte beim BSC YB diverse Positionen inne. Spieler, Teammanager und Sportchef. Im Interview mit kurzpass.ch erzählt er von den Hochs und Tiefs dieser bewegten Zeit – und von seinem aktuellen Engagement bei Lausanne Sports.

kurzpass.ch: Alain Baumann, Insgesamt spielten Sie rund 500 Partien in der obersten und zweitobersten Schweizer Liga. Von 1985 bis 1999 spielten Sie für die Berner Young Boys im defensiven Mittelfeld. Ihre Karriere liessen Sie beim FC Thun (1999 - 2001) ausklingen. Das ist eine lange und sicher auch eine ereignisreiche Karriere. Erzählen Sie uns davon.

Alain Baumann: Angefangen hat meine Karriere bei YB sensationell. Bereits in der ersten Saison (85/86) konnte ich mit den Young Boys den Meistertitel feiern. In der Vorrunde wurden wir als fünfte von vielen bereits abgeschrieben. Doch in der Rückrunde – wir hatten uns in der Winterpause mit dem Schweden Robert Prytz als Spielmacher verstärkt – bliesen wir zur grossen Aufholjagd. Runde um Runde, Spiel um Spiel, Sieg um Sieg kamen wir Neuchâtel Xamax, dem damaligen Leader, näher, um in der Finalissima in Neuenburg 4:1 zu gewinnen.

Ist dieser Meistertitel heute noch präsent?

Es war ein grossartiger Moment, den ich nicht missen möchte. Dieser Schweizermeistertitel hat mich in meiner weiteren Karriere wesentlich geprägt. Heute kann ich davon profitieren, dass ich Gewissheit habe, dass man bis zuletzt für sein Ziel weiterkämpfen und an den Sieg glauben soll. Das gibt mir im Beruflichen wie auch im Privaten Kraft und Durchhaltewille. Daher ist dieser Titel unterschwellig auch heute noch präsent.

Das war sicher nicht der einzige Höhepunkt in Ihrer Karriere.

1987 wurden wir Cupsieger. In einem spannenden Final gegen Servette siegten wir in der Verlängerung mit 4:2. Selbstverständlich gehören auch die internationalen Spiele dazu. Im damaligen Europacup der Meister spielten wir in der ersten Runde gegen das grosse Real Madrid. Vor über 30‘000 Zuschauer gewannen wir das erste Spiel mit 1:0. Das war sensationell. Neben Spieler wie Butraguen͂o, Hugo Sanchez, Juanito, Valdano stand auch Michel auf dem Platz. Michel, der bis im letzten Sommer als Trainer beim FC Getafe tätig war und in der Europa League gegen die Young Boys spielte. So schliessen sich im Fussball immer wieder die Kreise. Das Rückspiel verloren wir dann im Bernabeu-Sadion mit 5:0. Im Europapokal der Pokalsieger schieden wir im Viertelfinal gegen Ajax Amsterdam aus. Das Erreichen des Viertelfinals war eine Sensation für die Young Boys.

Das klingt nach einer Spielerkarriere mit vielen Highlights. Aber in Ihrer Karriere gab es ja auch einige negative Erlebnisse.

Das stimmt. Meine Verletzungen (dreimal das Kreuzband gerissen und weitere kleinere Operationen) waren keine schönen Momente in meiner Karriere. Dazu kamen dann die finanziellen Probleme bei YB und der daraus resultierende Abstieg 1997 in die damalige Nationalliga B. Die Stimmung war mies. Dazu gehört auch der verlorene Cupfinal von 1991. Wir führten bis zur Pause mit 2:0 und verloren den Final noch mit 2:3. Das war hart.

2005 kehrten Sie zuerst als Teammanger und später als Sportchef zu YB zurück. Wie gross war der Unterschied zu 1999, als Sie YB verliessen?

Der Unterschied war riesig. Ich kam im April 2005, als YB noch im Neufeld spielte. Danach das neu erbaute Stade de Suisse als Ersatz des Wankdorf Stadions. Das waren Welten. Das Stade de Suisse war 2005 das modernste Stadion der Schweiz und auch in ganz Europa ein Vorzeigestadion. Auch die Konstellation, dass YB der Stade de Suisse AG gehört, war einzigartig. Man hatte eine gute Mannschaft, die Löhne wurden pünktlich bezahlt, die Infrastruktur und das Umfeld waren sehr professionell.

Im Frühjahr 2011 mussten Sie den BSC YB verlassen. Wie entwickelte sich YB während den sechs Jahren in denen Sie für den Klub tätig waren?

Wie bereits erwähnt war die Infrastruktur bei YB perfekt. Doch im sportlichen Bereich musste noch einiges aufgebaut werden. Wichtig dabei war, dass die Young Boys und das Stade de Suisse zusammen fanden. YB musste sich die Akzeptanz Schritt für Schritt erarbeiten. Die Abstimmung zwischen Events und Fussballspielen musste erst gefunden werden. Die Stimmung verbesserte sich weiter, was letztendlich zum Erfolg führte. Ebenso wurde das Umfeld der ersten Mannschaft verändert. Der Staff und die medizinische Abteilung wurden vergrössert, das Scouting aufgebaut und die Strukturen der Nachwuchsabteilung verbessert. Jahr für Jahr versuchten wir uns zu steigern.

Während dieser Zeit wurden viele wichtige Transfers getätigt, bei welchen Sie eine entscheidende Rolle spielten.

Ein Transfer ist immer eine schwierige Angelegenheit. Ich denke, die Chancen sind jeweils 50:50. Ein Spieler kann bei seinem alten Klub sensationell gespielt haben, beim neuen Klub kommt er mit dem Trainer oder dem System nicht zurecht, dann wird der Transfer schnell zu einem Flop. Die Beurteilung, ob ein Transfer ein Erfolg oder Misserfolg war, liegt meistens beim Betrachter. Der Fan hat ganz andere Erwartungen an einen neuen Spieler als der Klub. Aber auch die Medien nehmen einen wichtigen Platz ein. Ein Spieler, der zwar nur eine durchschnittliche Leistung für den Klub erbrachte, jedoch mit einem positiven Transfererlös abgegeben werden konnte, ist in den Augen des Klubs ein Erfolg. Für den Fan und die Medien wird er aber schnell zu einem Flop.

Sie sagen, die Chancen ob ein Transfer gelingt sei etwa 50:50. Was unternehmen Sie als Sportchef konkret, damit Sie eben die richtigen Spieler kaufen?

Natürlich wendet man verschiedene Mittel an, um einen erfolgreichen Transfer zu erzielen. Man informiert sich vorgängig über den Spieler bei seinem Berater, die Scoutingabteilung beobachtet ihn während mehrerer Spiele und versucht auch Trainings zu besuchen. Die Beziehung zum Berater des Spielers ist sehr wichtig. Als Klub ist man darauf angewiesen, dass der Berater objektiv über den Spieler berichtet. DVDs sind sicher hilfreich und geben einen ersten Eindruck, doch muss man beachten, dass das Werbematerial ist und nur die schönsten und besten Szenen des Spielers zeigt. Für mich war es wichtig, dass wir die besten Spieler der Region verpflichten konnten. YB musste unbedingt im Nachwuchs an den FC Basel herankommen. Am Schluss ist es eine Frage der Philosophie des Klubs, ob man eher einheimische Nachwuchstalente fördert oder teure Spieler im Ausland holt.

Als Sportchef kümmerten Sie sich ja nicht nur um Transfers. Was gehörte sonst noch zu Ihren Aufgaben?

Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit bei YB als Sportchef bestand darin, Verhandlungen zu führen; mit Agenten und Spielern, ihnen auch den Klub und das Stadion vorstellen und zeigen. Dazu kamen Mitarbeiterführung und administrative Aufgaben im Zusammenhang mit Transfers. Das heisst die erforderlichen Dokumente an die UEFA oder den Schweizerischen Fussballverband einreichen. Dazu das Scouting bei YB aufbauen und überwachen. Freundschaftsspiele und Trainingslager organisieren. Da kein Teammanger vorhanden war, war ich das Bindeglied zwischen Spieler, Trainer und Klubverantwortlichen.

Das ist sicher nicht immer einfach. Verschiedene Interessen und Ansprüche prallen aufeinander. Wie lösten Sie diese Aufgabe?

Es war nicht einfach, den Anliegen aller Beteiligten gerecht zu werden. Die Ansprüche des Trainers waren nicht immer realisierbar. Andererseits kannte ich die Seite des Spielers und die des Sportchefs. Selbstverständlich war man nicht immer gleicher Meinung. Für mich war es jedoch immer klar, dass Meinungsverschiedenheiten nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, sondern zum Findungsprozess gehören und in der Kabine bzw. in den eigenen vier Wänden bleiben sollen. Schlussendlich hatten wir eine gute Zusammenarbeit, aber es war nicht immer einfach.

Im Sommer holte Sie der Aufsteiger Lausanne Sports als Berater für die Saisonvorbereitung. Wie kam es zu diesem Engagement?

Ich wurde von den Verantwortlichen angefragt, ein 50-Prozent-Pensum zu übernehmen. Da ich aber bereits einen Vertrag bei der Zürich Versicherung unterzeichnet hatte, konnte ich dieses Angebot nicht annehmen. Man einigte sich dann auf ein 100-Prozent-Pensum während zweier Monate. Der FC Lausanne bat mich, meine Kontakte zu Spielern und Beratern zur Verfügung zu stellen. Im Vergleich zu YB war es wie Tag und Nacht, da beim FC Lausanne die finanziellen Mittel nicht vorhanden waren, um mehrere routinierte Spieler an den Genfer See zu holen. Die Spieler die ich vorher gescoutet habe, waren leider nicht unbedingt in der Lohnklasse von Lausanne-Sports.

Infobox Sportchef

Sportchef, Sportmanager, Sportdirektor oder Sportkoordinator. Es gibt viele Bezeichnungen für den sportlichen Leiter eines Fussballklubs. Folgende Arbeiten gehören im Wesentlichen zu seinen Kerntätigkeiten:

  • Mitarbeiter führen
  • Gespräche mit den Spielern und dem Staff
  • Mannschaftszusammensetzung planen
  • Mit welchen Spielern geht man in die neue Saison und von welchen will man sich trennen?
  • Organisation der Spielerbeobachtung. Kontaktaufnahme mit dem Berater, dem Spieler und dem Klub
  • Lizenzierung des Spielers bei der UEFA und oder beim SFV einholen
  • Scoutingabteilung führen
  • Einsatzplanung der Spieler- und Gegnerbeobachtung in Absprache mit dem Trainerstaff.
  • Auswertung der Beobachtungsbögen.
  • Verträge aushandeln
  • Vertrag mit dem Ausrüster abschliessen
  • Anlässe planen und organisieren
  • Organisation der Trainingslager.
  • Organisation von Freundschaftsspielen
  • Organisation von Werbeanlässen im Zusammenhang mit der ersten Mannschaft.
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Seit zehn Jahren kaum zu stoppen

Der FC Basel dominiert die Meisterschaft seit einem Jahrzehnt. kurzpass.ch blickt auf die erfolgreichsten Jahre der Clubgeschichte zurück.

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