Saisonstart - ein europäischer Vergleich

Die neue Saison steht vor der Tür. Bald rollt der Ball wieder, obwohl erst vor Wochenfrist die EM zu Ende ging. Im europäischen Vergleich fällt auf: Nirgends auf dem Kontinent beginnt die Saison früher als in der Schweiz.

Die Schweiz als Frühstarter

In den meisten Ligen nehmen die Clubs erst langsam wieder das Training auf. Die meistbeachteten Trainingsstarts aus Schweizer Perspektive fanden letzte Woche wohl in Deutschland statt, wo Granit Xhaka bei Borussia Mönchengladbach und Xherdan Shaqiri bei Bayern München den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen möchten. Um einiges früher stiegen bereits die Schweizer Topclubs in die Vorbereitungsphase. Das ist verständlich und nötig, beginnt die Saison doch bereits am 14./15. Juli. Früher als in der heimischen Liga beginnt die Saison nirgends in Europa.

Aber die Schweiz steht trotzdem keineswegs alleine da: Gleichzeitig mit dem Start zur neu bezeichneten Raiffeisen Super League starten auch die Ligen in Dänemark, der Ukraine, der Slowakei und in Ungarn. Eine Woche später startet die Meisterschaft dann in Russland, Österreich, Kroatien und Rumänien. Speziell dabei ist der Fall Russland zu erwähnen. Zum ersten Mal führt man in diesem riesigen Land keine «Ganzjahres-Meisterschaft» mehr durch, sondern startet gleichzeitig mit allen anderen Ligen Europas. Früher starteten die Russen jeweils noch im März und beendeten die Saison im November (was übrigens Länder wie Norwegen, Schweden, Finnland, Weissrussland, Estland, Lettland oder Litauen nach wie vor tun). Der neue Kalender soll helfen, sich den internationalen Spielplänen besser anpassen zu können. Allerdings wird man das Wetter und die Temperaturen nicht ändern können. Wie sich diese Neuausrichtung auswirken wird bleibt deshalb abzuwarten. Die Schweiz ist also kein Einzelgänger mit ihrem Frühstart. Allerdings ist auffällig, dass von den besten zehn Ligen Europas einzig Russland (Platz 9) und Ukraine (Platz 8) bereits im Juli starten.

Verschlafene Stars

Die Top-Ligen des Kontinents nehmen sich mehr Zeit in der Sommerpause. In Deutschland und Italien wird erst Ende August wieder gespielt, während Griechenland und Zypern gar bis September zuwarten. Am 11./12. August beginnen die Franzosen, die Holländer und die Serben. Eine Woche später starten die Top-Ligen in England, Spanien, der Türkei sowie Polen. Auch Portugal, welches im 5 Jahres-Ranking der UEFA neu auf Platz fünf vorgerückt ist, nimmt in dieser Zeit seine Tätigkeit wieder auf. Für diese zeitliche Differenz zur Schweiz gibt es mehrere mögliche Erklärungsansätze. Zum Einen sind Spieler der Top-Ligen alle zwei Jahre an Grossanlässen im Einsatz, weshalb sie nach den Endrunden jeweils mehr Zeit für Erholung und Vorbereitung brauchen. Zudem ist es vorwiegend in den südlichen Ländern Europas in den Hochsommer Monaten schlicht zu heiss für Fussball. Bei 35 Grad im Schatten und mehr kann es durchaus gar zu gesundheitsschädigenden Auswirkungen kommen. Hinzu kommen Tradition und Gewohnheit, dass diese Ligen halt einfach später in die Saison starten. Zu guter letzt haben sie auch markant kürzere oder gar keine Winterpausen, welche den Spielbetrieb unterbrechen würden, womit sie einen Grossteil des Rückstands wieder aufholen.



Gedrängter Spielplan

Diese Verzögerungen von bis zu sieben Wochen mögen aber dennoch erstaunen, sind es doch gerade die Clubs der grossen Ligen, welche die grösste Anzahl an Spielen auszutragen haben. Mit einem späten Ligastart drücken sie das Programm noch stärker zusammen und bürden sich somit einen intensiveren Spielplan auf. Interessanterweise endet die Saison in den grossen Ligen praktisch durchwegs auch noch früher als die Super League. Zum Einen gibt es in der Schweiz halt traditionell eine lange Winterpause und zum anderen wird bei uns praktisch ausnahmslos nur an Wochenende gespielt, während gerade in England Spiele unter der Woche zur Tagesordnung gehören und so die vielen Spieltage flexibler und gedrängter angesetzt werden können.

Vorteile für die Kleinen

Für die kleinen Ligen ist die verfrühte Arbeitsaufnahme sicherlich kein Nachteil. Die erste UEFA-Qualifikationsrunde für die und Champions League und Europa League fand bereits am 3./4./5. Juli statt. Für Mannschaften, welche zu diesem Zeitpunkt bereits voll im Saft sind und ihr Potential abschöpfen können, wird die Ausgangslage ganz klar verbessert und die Chancen auf ein Weiterkommen somit erhöht. Höher dotierte Teams vermögen ihr Leistungsvermögen zu diesem frühen Zeitpunkt oft noch nicht abzurufen und bekunden deshalb Probleme. Gerade Deutschland und Italien beginnen ihre Saison erst nach dem Hinspiel zur letzten Qualifikationsrunde von Champions und Europa League. Dies kann gegen Teams aus Frankreich, Holland, Belgien, Russland oder der Schweiz, welche 1-6 Wochen früher in die Saison gestartet sind, im Zweifelsfall durchaus der entscheidende Faktor sein. Ebenfalls verringert sich in den kleinen Ligen durch den etwas loseren Spielplan das Verletzungsrisiko.

Schlussendlich bleibt das Ganze aber auch Geschmackssache. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er es gut findet, dass die Liga startet, noch bevor oder während viele in den Ferien weilen. Klar ist, das Wetter wird gegen Ende des Jahres nicht besser werden, weshalb sich vor allem der wärmeren Jahreszeit Zugeneigte über den sommerlichen Spielplan durchaus freuen dürfen.

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«Dank Völler habe ich eine Rudi-Rente»

Er ist eine deutsche Fernsehlegende mit Kultstatus. Im Interview mit kurzpass.ch rechnet Waldemar Hartmann mit der ARD ab, spricht über die Steueraffäre um Uli Hoeness und lobt seine Wahlheimat Chur.

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