Trainerwechsel bringen nichts |
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Die zehn Super-League-Vereine wechselten diese Saison zusammen bereits neun Mal den Trainer aus. Ein Plädoyer für mehr Geduld und Kontinuität und weniger Einflussnahme durch Präsidenten, Verwaltungsräte, Medien und Fans. Bereits neun Trainerwechsel Es klingt unglaublich. Rund eine Woche lang war ausgerechnet Sions Coach Laurent Roussey der dienstälteste Trainer der Super League. Dass das nicht sein durfte, merkte Präsident Christian Constantin rasch und begann eiligst, Roussey öffentlich zu brüskieren. «Ich habe keine Ahnung, nach welchem System wir spielen. Wir benötigten fünf Pässe, um fünf Meter nach vorne zu kommen. Lugano, Aarau und Bellinzona sind besser organisiert als wir. Wenn es so weitergeht, muss ich irgendwann für einen Schock sorgen», so der Leiter des Sittener Komödienstadls. Dem kam Roussey zuvor und als Wunschnachfolger Rolland Courbis als Nothelfer nicht sofort einspringen konnte, nahm der König des Trainerverschleisses am Wochenende in Thun das Zepter gleich selbst in die Hand und hockte sich auf die Bank zu Assistenztrainer Sébastien Fontbonne. Noch turbulenter – neben allen anderen Wirren abseits des Feldes – verlief der Herbst auf der Trainerbank in Neuenburg. François Ciccolini durfte Xamax unter dem irren Alleinherrscher Bulat Chagaev ganze zwei Spiele lang coachen, dessen Nachfolger Joaquín Caparrós brachte es auf fünf Matches, ehe Víctor Muñoz für die restlichen elf Partien an der Seitenlinie stehen durfte. In Genf schafften sie es derweil, den erfolgreich arbeitenden und bei Fans und Mannschaft beliebten Portugiesen João Alves zu feuern, um ihn fünf Monate später anstelle seines glücklosen Landsmannes João Carlos Pereira wieder zu reaktivieren. Anders gelagert ist der Fall in Basel, wo Thorsten Fink den Mechanismen des Geschäfts erlag und das finanziell und sportlich lukrativere Angebot aus Hamburg annahm und deshalb der bisherige Assistenztrainer Heiko Vogel zum Handkuss kam. Das neueste «Opfer» In Zürich tauschten gleich beide Stadtrivalen ihre Übungsleiter. In Urs Fischer verlor man beim FCZ die Geduld nach einem 1:0-Auswärtssieg in Lausanne und ersetzte ihn durch Harald Gämperle, dem man dann wegen fehlender Trainerscheine noch schnell Nachwuchscoach Urs Meier zur Seite stellte. Zur neuen Saison wird dann Rolf Fringer übernehmen, vorher wollte der ehemalige Nationaltrainer offenbar nicht. Bei GC schliesslich trat Ciriaco Sforza wegen anhaltender Erfolgslosigkeit zurück, nachdem er immer beteuert hatte, die Saison bei den Hoppers zu beenden. Die neue Führungsriege um André Dosé installierte zügig Uli Forte, der nun retten soll, was noch zu retten ist. Nur gerade Luzern (Murat Yakin), Thun (Bernard Challandes) und Lausanne (Martin Rueda) arbeiten noch mit dem gleichen Cheftrainer als zu Beginn der Saison. Ein Armutszeugnis. Neuestes Opfer ist Christian Gross, der bekanntlich am Sonntag bei den Young Boys entlassen wurde. Hansruedi Hasler, Technischer Direktor bei den Bernern, erzählte der «NZZ» schon vor etwa einem Jahr, die mangelnde Konstanz bei Führungskräften und Trainern sei eine Schwäche des hiesigen Clubfussballs. Ironischerweise wurde bald darauf Vladimir Petković gefeuert, und nach bereits zehn Monaten ist auch Gross in der Hauptstadt am Ende seines Engagements angelangt. Die «NZZ» kritisiert folgerichtig auch, dass YB dem Trainer «unanständig wenig Zeit gab, zu zeigen, was er kann. In der Winterpause schenkte sie ihm allerlei Spieler – aber arbeiten durfte er mit ihnen allzu kurz.» Jener Gross übrigens, der bei Basel mit einem 1:8 im Wallis startete und erst in seinem dritten Jahr Meister wurde, aber das Fundament legte für die national seit Jahren anhaltende Überlegenheit. Die Ansichten der Trainer Marcel Koller, aktuell Nationaltrainer in Österreich, hat in einem ausführlichen Interview mit dem Magazin «RUND» interessante Ansichten über die fehlende Geduld der Vereinsverantwortlichen geäussert: «Guy Roux in Auxerre oder Volker Finke in Freiburg haben die Ruhe bekommen, die es braucht. In der Regel werden jedoch im Laufe der Saison mehr als die Hälfte aller Trainer entlassen. Das ist frustrierend, weil man als Trainer immer nur sehr kurzfristig planen kann. Nach der dritten Niederlage steckst du schon richtig in der Diskussion. Bist du unter dem Strich, ist alles schlecht, bist du über dem Strich, ist alles supergut. Deine eigentliche Arbeit wird nicht bewertet.» Das bringe für die tägliche Arbeit weitreichende Konsequenzen mit sich. «Du entscheidest dich beispielsweise schon mal eher für einen älteren statt für einen jüngeren Spieler. Mal zu einem jungen Spieler zu sagen: ‹Junge, du darfst Fehler machen und dich entwickeln›, diese Gelegenheit hat man kaum.» Auch der deutsche Bundestrainer Joachim «Jogi» Löw hat in einem Interview mit der «Bild» diese Entwicklung ungewöhnlich heftig kritisiert. Viele Vereine seien durch falsche Entscheidungen bei der Trainersuche und der Kaderzusammenstellung selbst schuld an ihrer Misere. Für Löw müssen sich die Trainer- und Transferentscheidungen eines Vereins nach dessen Spielphilosophie richten. «Das hat für mich höchste Priorität. Das ist wegweisend für viele Fragen: Für was stehen wir im Verein? Was für einen Fußball wollen wir spielen? Wie sieht unsere Nachwuchsarbeit aus?» In diesem Zusammenhang hält er die häufigen Trainerwechsel, vor allem bei Abstiegskandidaten, für ein falsches Mittel. Kontinuität sei gefragt. «Einige Teams holen sich drei oder vier verschiedene Philosophien in einem Jahr. Da kann man sich ausrechnen, dass das nicht auf fruchtbaren Boden fällt.» Das gelte besonders bei steigendem Druck im Abstiegskampf. |
Hermann Burgermeister ist die Seele des FC Zürich. kurzpass.ch erzählt er, warum er seinen Club lieber im Hardturm spielen sähe, weshalb er Waschmittel im Denner kauft und wie er die Gunst der Fans gewonnen hat.
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