
Die alten Knaben von Basel |
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Vor wenigen Jahren lieferte sich der BSC Old Boys in der NLB Stadtderbys mit dem FC Basel. Heute möchte der Verein als einer der bestgeführten Amateurvereine in der Schweiz anerkannt werden und junge Talente fördern. So wie einst Eren Derdiyok und Timm Klose. Basel hat die Fasnacht, die Herbstmesse und den Fussball. Der grosse FC Basel ist die Topadresse. Doch auch die Rot-Blauen machten schwere Zeiten durch, als sie 1988 in die NLB abstiegen. Es folgten Spiele gegen den FC Baden oder Etoile Carouge – das war die eine Seite. Es kam auf der anderen Seite aber auch zu Stadtderbys gegen den BSC Old Boys oder «OB», wie der Klub der Einfachheit halber unter Fussballern genannt wird. OB schaffte zeitgleich mit dem FCB-Abstieg den Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse. Heute spielt OB in der 1. Liga. Trainiert wird die erste Mannschaft vom heute 43-jährigen Massimo «Cecca» Ceccararoni, der Kultfigur schlechthin des FC Basel. 25 Jahre hielt er dem FCB die Treue, war technisch sicherlich keine Leuchte, grätschte jedoch um jeden Ball. Die Fans liebten ihn. Nach dem FCB-Meistertitel 2002 wurde sein auslaufender Vertrag zum Entsetzen der Basler Fans allerdings nicht verlängert. Christian Gross setzte auf jüngere Kräfte. 2005 heuerte Massimo Ceccaroni bei den Old Boys als Spielertrainer an, stieg mit dem Verein in die 2. Liga interregional auf, gleich in der folgenden Saison in die Die OBler Derdiyok und Klose Zu Hause sind die Old Boys auf der Schützenmatte im Basler Bachletten/Gotthelf-Quartier. OB steht für eine saubere Klubführung, legt Wert auf das «Hin und wieder gelingt es uns, junge Spieler so zu fördern, dass sie den Sprung in den Profifussball schaffen», sagt Balz Heusler, Präsident der Old Boys. «Wir haben ein eigenes, auf OB zugeschnittenes Ausbildungskonzept, das wir konsequent verfolgen und verfeinern», sagt er. Aber trotzdem liesse sich nicht vermeiden, dass jedes Jahr talentierte Junioren zum FC Basel wechselten. «Dort absolvieren sie wesentlich mehr Trainingseinheiten pro Woche als bei uns», sagt Heusler. «Beim FC Basel kommt zuerst der Fussball und dann die Schule.» Das Förderprogramm bei den Old Boys heisst Schule und Fussball. «Wenn ein Spieler wegen einer Prüfungsvorbereitung nicht am Training teilnehmen kann, wird er am Wochenende trotzdem auf dem Platz stehen», erzählt der Old-Boys-Präsident. OB akzeptiere und unterstütze schulische und berufliche Aktivitäten. «Wir versuchen auch junge Spieler im zweiten Anlauf zu fördern. Als bei Eren Derdiyok ein Wechsel zu der U16 des FC Basel ein Thema war, verletzte er sich bei einem Skiunfall und konnte neun Monate nicht trainieren. Wir integrierten ihn wieder. Später schaffte er doch noch den Sprung zum FCB», so Heusler. Training mit Papa Glaz Der Vereinsname täuscht nicht: OB Basel ist einer der ältesten Fussballvereine der Schweiz. 118 Jahre ist es her, seit Adolf Glaz, der Leiter des Realschüler-Turnvereins, seine Schüler neu auch für das Fussballspiel begeistern wollte. Im Sommer und in den Herbstferien traf sich die Gruppe einmal wöchentlich zum Training. «Papa Glaz», wie der Übungsleiter liebevoll genannt wurde, erklärte die Spielregeln. Um eine richtige Mannschaft zu gründen, fehlte es allerdings an Spielern. Im November 1893 wurde dann der FC Basel gegründet, und kurz darauf fand in Basel auf dem Landhof das erste Spiel zwischen dem Realschüler-Turnverein und dem FC Basel statt. Ein Jahr später hatten einige Schüler ihren Realschulabschluss erreicht und mussten aus dem Turnverein austreten. Was jetzt? Die Jungs vermissten den Fussball und ihre Kameraden. Sie beschlossen im Jahr 1894, zusammen mit «Papa Glaz» und einigen älteren Mitgliedern des Turnvereins einen Fussballklub zu gründen. Ohne lange Diskussion wurden die von Adolf Glaz vorgeschlagenen Vereinsstatuten akzeptiert. Schwieriger war die Namenssuche für den neuen Klub. Englische Bezeichnungen waren zu dieser Zeit bereits in Mode, im Fussball sowieso. Um der Mischung zwischen den jungen und den etwas älteren, aber gleichzeitig jung gebliebenen Mitgliedern gerecht zu werden, taufte man den Klub FC Old Boys. Später wurde aus dem FC der BSC (Basler Sportclub, da der Klub wie heute noch auch über eine Leichtathletiksektion verfügte). An der Grenze zur Gemeinde Allschwil wurden auf einer Spielwiese die ersten Trainings absolviert. Später wurde vom Regierungsrat eine zusätzliche Wiese zur Verfügung gestellt. Bis heute ist die Schützenmatte die Heimstätte der Schwarz-Gelben. Die Ausrüstung war simpel: Lange Trainerhosen wurden abgeschnitten, ein Baumwolltrikot oder Turnleibchen bildeten die Fussballkleider. Als Garderobe diente ein benachbartes Restaurant. Bald bekamen die «alten Knaben» Lust auf mehr. Ein Treffen mit Freunden und lockere Plauschmätchli reichten nicht mehr, man wollte sich mit anderen Klubs messen. Im März 1895, also ein wenig mehr als ein Jahr nach der Klubgründung, stand der erste Wettkampf gegen den «Abstinenten Fussball-Club» auf dem Programm. Die Old Boys gewannen diese Premiere mit 1:0. 1898 traten die Old Boys dem Fussballverband bei. So kamen sie zu mehr Spielen. Allein im ersten Jahr brachten sie es auf fünfzehn Wettkampfspiele mit sechs Siegen und vier Niederlagen. Besiegt wurden etwa Bern, Vereinigte St. Gallen oder der damalige Landesmeister Grasshoppers. Die Old Boys schafften in den Folgejahren ihre grössten Erfolge. 1899, 1904 und 1912 wurden sie Vizemeister. Zum Titel reichte es freilich nie. 1932 stiegen die Basler aus der Nationalliga A ab. Mit Jeff Saibene gegen den FCB Es sollte bis 1988 gehen, bis die Old Boys wieder in der NLB spielten. Der heutige St.-Gallen-Trainer Jeff Saibene war damals zentraler Mittelfeldspieler bei OB und erinnert sich gerne an die Zeit und vor allem an die Stadtderbys gegen den FC Basel: «Ein tolles Erlebnis war das erste Spiel auswärts im St.-Jakob-Stadion. Wir spielten vor 14 000 Zuschauern und gewannen 2:1. Das Rückspiel auf der heimischen Schützenmatte verloren wir dann allerdings deutlich mit 0:6.» Auch im Schweizer Cup trafen die beiden Traditionsvereine mehrmals aufeinander. Saibene erzielte bei der 1:6-Niederlage den einzigen Treffer für die Old Boys. Noch heute schwärmt Saibene von seiner Zeit in Basel. «Ich hatte hier schöne eineinhalb Jahre. Die Kameradschaft war sehr toll, es entstanden schöne Bekanntschaften.» Noch heute ist er mit seinem damaligen Trainer Bruno Kaufmann sehr eng befreundet. OB stieg in der Saison 1993/94 wieder aus der Nationalliga B ab. Jeff Saibene zog weiter und erhielt vom FC Aarau einen Vertrag in der Nationalliga A. In der gleichen Saison schaffte der FCB den Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse. «Ceccas» Kreis schloss sich bei OB Heute hält sich das Team von Massimo Ceccaroni im Tabellenmittelfeld der 1. Liga. «Cecca» ist mit der Entwicklung zufrieden: «Wir konnten die Mannschaft als Einheit weiterbringen. Wir haben sehr viele junge Spieler im Kader, die vorher noch nie auf diesem Niveau gespielt haben.» Diese möchte er weiter fördern. «Wer weiss, vielleicht schafft es ja bald wieder einer in die U21 des FC Basel oder noch weiter.» Massimo Ceccaroni, der neben seinem Traineramt 100 Prozent berufstätig ist, erfüllt seine Funktion mit Leidenschaft und schwärmt: «Der Verein hat eine hohe Sozialkompetenz, macht viel für Jugendliche, die Fussball spielen möchten, und versucht, sie gut zu integrieren. Mir macht es viel Spass, auf der Schützenmatte tätig zu sein.» OB bietet mit dem sogenannten Dreamteam auch Menschen mit einer Behinderung die Möglichkeit, in einem Verein Fussball zu spielen. «Es gibt zwar genügend Sportvereine für Menschen mit einer Behinderung, uns war jedoch wichtig, dass diese Mannschaft die gleichen Rechte und Strukturen hat wie alle anderen OB-Teams auch», sagt Präsident Heusler. So trainiere das «Dreamteam» auf dem gleichen Platz wie die erste Mannschaft, und die Spieler tragen alle ein einheitliches Dress. Die Mannschaft trifft sich dann mit anderen Fussballern mit Behinderung zum Es ist nicht nur dieses soziale Engagement, das Ceccaroni bei den Old Boys gefällt. Die Schützenmatte zieht sich wie ein roter Faden durch sein Fussballer-Leben: «Ich bin in der Nähe aufgewachsen. Mit dem FCB spielte ich hier zu NLB-Zeiten gegen OB. Als der St.-Jakob-Park gebaut wurde, spielten wir vorübergehend auf der Schützenmatte, und nun darf ich hier den BSC Old Boys trainieren.» Präsident Heusler sieht die Old Boys als ambitionierten Quartierklub mit Tradition. Mit über 600 lizenzierten Fussballerinnen und Fussballern ist der BSC Old Boys einer der fünf grössten Fussballvereine der Schweiz. 32 Teams hat OB, 7 davon sind Frauenequipen. «Unsere Vision ist es, dass wir als einer der führenden Amateurvereine in der Schweiz anerkannt werden», sagt der Präsident. Der Verein sei auf einem guten Weg und unternehme viel. Jeder Trainer, der bei OB einsteige, erzählt Heusler, erhalte ein Dossier mit dem Leitbild, den Schwerpunkten und den Werten, die der Verein vermitteln möchte. Die Old Boys wurden letztes Jahr vom Fussballverband als fairster Verein schweizweit ausgezeichnet. Trotz der Erfolge und der Anerkennung ist die Situation für einen Verein wie die Old Boys nicht nur einfach. «Ich würde die Situation als angespannt bezeichnen», sagt Präsident Heusler zur wirtschaftlichen Situation. Dies aus zwei Gründen: Einerseits sei der Verein im Kanton Basel-Stadt zu Hause, und das sei nicht ganz günstig. «Dazu kommt, dass es für Projekte, die nicht kommerziell sind und Vereinscharakter haben, nicht ganz einfach ist, Sponsoren zu gewinnen.» Andererseits führe der Verein viele Mannschaften. Dieser Aufwand sei eben auch mit Kosten verbunden. Vom Pampers- zum Pillenklub Eren Derdiyok (23), Stürmer bei Bayer 04 Leverkusen, blickt auf seine Juniorenzeit zurück: «Im Alter von vier Jahren habe ich bei den OB-Pampers angefangen und durchlief sämtliche Juniorenstationen. Ich kann mich noch gut an ein Spiel gegen den FCB erinnern: Timm Klose, mit dem ich aufgewachsen bin, spielte mit mir im Team. Wir sassen zuerst auf der Bank, und zur Pause stand es 0:0. Dann wechselte der Trainer uns beide ein, Timm bereitete mir zwei Treffer vor, und wir gewannen das Spiel 2:0. Zu diesem Zeitpunkt war ich hammermässig gut drauf, und der FCB wurde dann auch langsam auf mich aufmerksam. Als ich vor dem Wechsel zu den B-Junioren der Old Boys stand, verletzte ich mich bei einem Skiunfall am Rücken. Es ging abwärts, ich konnte lange nicht trainieren, fiel für einige Monate aus, nahm ein paar Kilos zu und war überhaupt nicht mehr fit. Trainer Santino Cambria setzte trotzdem auf mich und versuchte mich zu fördern. Ich erzielte dann in einer Saison 54 Tore. Beim FCB konnte ich einige Trainings absolvieren, aber es reichte noch nicht ganz. Bei OB schaffte ich den Sprung in die erste Mannschaft, die damals noch in der 2. Liga spielte. Es war ein spezielles Gefühl, als Massimo Ceccaroni die Mannschaft übernahm. Ich lernte viel von ihm. 2006 spielten wir auf der Schützenmatte im Cup gegen den FC Basel, wir verloren 1:6, ich erzielte den Ehrentreffer. Anschliessend begann ich meine Ausbildung als Elektromonteur. Gleichzeitig bekundete der FCB wieder Interesse. Kurz darauf wechselte ich in die U21 des FC Basel, setzte alles auf die Karte Fussball und brach die Lehre ab. Zweimal täglich zu trainieren und dazwischen noch auf der Baustelle zu arbeiten, war nicht möglich. Aber es hat sich ausbezahlt. Von OB wurde ich immer gut unterstützt, Präsident Balz Heusler war immer für uns Spieler da, gab mir auch Ratschläge. Aber natürlich spürte ich auch von meiner Familie einen grossen Rückhalt, sie begleitete mich an jedes Spiel. Der BSC Old Boys bietet seinen Spielern eine gute Infrastruktur und tolle Trainingsplätze, das ist nicht selbstverständlich. Natürlich wollte ich schon immer Profifussballer werden. Es brauchte Glück dazu, das richtige Umfeld und einen grossen Willen. Ich hoffe, dass ich meine Karriere mal bei den Old Boys beenden kann. Vielleicht schaffen sie es ja irgendwann ganz nach oben.» |
Hermann Burgermeister ist die Seele des FC Zürich. kurzpass.ch erzählt er, warum er seinen Club lieber im Hardturm spielen sähe, weshalb er Waschmittel im Denner kauft und wie er die Gunst der Fans gewonnen hat.
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