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Milito! Tévez! Neymar!

Ihr Ruf ist schlecht, doch mit den Stars sind sie auf Du und Du: die Spielervermittler. Eintauchen in eine Welt voller Abenteuer und verpasster Chancen. Mit zwei renommierten Vertretern.

Die Zeit drängte. Längst hatte das Boarding für den Flug zurück nach Istanbul begonnen, doch vom Geld war weit und breit nichts zu sehen. Da wurde selbst Renato Cedrola nervös: er, der nach über zehn Jahren als Spielervermittler gedacht hatte, dass ihn so schnell nichts mehr aus der Ruhe bringen würde. Was sich dann aber an diesem Morgen auf dem Flughafen in der türkischen Provinz zutrug, erweiterte den Erfahrungsschatz des Mannes aus St. Gallen um eine ungeahnte Dimension.

Dabei war das Geschäft gut angelaufen, vielleicht zu gut. Einige Tage zuvor hatte Cedrola den Anruf eines befreundeten Agenten aus der Türkei erhalten, eine bedeutende Figur der Süper Lig, zu dessen Klienten Nationalspieler gehören wie Fenerbahçes Emre oder Volkan. «Ich suche einen Stürmer. Hast du mir einen?» Cedrola hatte. Der Zufall wollte es, dass der international tätige Spielerberater gerade Ausschau hielt nach einem neuen Verein für eine Offensivkraft aus Chile.

Kurz darauf sass er im Flieger nach Istanbul, im Gepäck seine Vorverträge, die er unterschrieben zurückgefordert hatte vom Verein, der an den türkischen Agenten herangetreten war. Ohne diese Papiere wäre Cedrola nie zu den Verhandlungen gereist. «Zu hohes Risiko», sagt er lapidar, zu hohes Risiko, dass der Club von gemachten Versprechen plötzlich nichts mehr wissen will. «Der Fussball in der Türkei wird von Emotionen gesteuert. Da ändern die Präsidenten manchmal schlagartig ihre Meinung. Es ist wie auf dem Basar.»

Filmreife Kofferübergabe

Von Istanbul ging es weiter in den asiatischen Teil des Landes, fast bis zur Grenze nach Syrien. Dort, umschlossen vom Taurus-Gebirge, liegt Südostanatolien. Gaziantep hiess das Reiseziel, eine Stadt, die bekannt ist für ihre Paprika, Pistazien und das Nationalgebäck Baklava, kaum aber für den lokalen Fussballverein: den Mittelfeldclub Gaziantepspor. Der junge Mann aus Chile schaute Cedrola skeptisch an. Hier sollte er das grosse Geld verdienen?

Um elf Uhr betraten die beiden das riesige Sitzungszimmer des Vereinspräsidenten, begleitet vom türkischen Agenten und Mittelsmann. Immer mehr Personen stiessen dazu. Ein Palaver ergriff den Raum, das sich um alles im Fussball drehte, nur nicht um den angestrebten Transfer. Die Stunden vergingen. Verhandlungen? Fehlanzeige. Spätabends platzte dem Gast aus der Schweiz der Kragen. Er drohte, mit dem Spieler unverrichteter Dinge wieder abzureisen.

Plötzlich kam Bewegung in die Sache. Gegen Mitternacht war der Vertrag aufgesetzt. Der Präsident stellte das versprochene Handgeld für neun Uhr morgens in Aussicht, wenn die Bank ihre Schalter wieder öffne. Um zehn war es immer noch nicht da, und um elf ging der Flieger zurück nach Istanbul. Frustriert begab sich Cedrola zum Check-in-Schalter. In diesem Moment erschien ein Clubverantwortlicher. Endlich. Er öffnete den mitgebrachten Koffer, und zum Vorschein kamen lauter 100-Dollar-Scheine. Hektisches Zählen begann, nur halbwegs geschützt vor neugierigen Blicken. Cedrola und sein Spieler nahmen jede Note in die Hand, bis sie Gewissheit hatten: Der geschuldete Betrag lag vor ihnen, 40 000 US-Dollar.

Heute kann der Ostschweizer mit italienischen Wurzeln über diese Episode lachen. Damals fand er die Unzuverlässigkeit des Präsidenten weniger lustig. Immerhin, der Transfer hat sich gelohnt, zumindest finanziell: Der Club kam allen Forderungen nach. Lange hielt es der Chilene aber nicht aus bei Gaziantepspor. Nach einem Spiel war Manuel Neira wieder weg.

14 Millionen und eine Bratwurst

Cedrola lehnt sich in seinem Büro zurück. Es befindet sich im ersten Stock eines schmalen, unscheinbaren Gebäudes gleich hinter dem St. Galler Bahnhof. Die Räume des Altbaus sind hell, die Böden mit Holz versehen, die weissen Decken mit Stuckatur versetzt. Zusammen mit seinem Bruder Michele betreibt er hier seit über zehn Jahren die Spielerberater-Agentur Front Group.

2000 DVDs stehen im Nebenzimmer, aufgereiht in hohen Gestellen. Alle sind nummeriert. Nur so verlieren die beiden Brüder nicht die Übersicht bei den Dutzenden von Spielaufzeichnungen, die sie wöchentlich machen. Dank Satellitenfernsehen lässt sich mittlerweile jede Liga verfolgen. Das ist zentral für die global agierenden Cedrolas. Die Schweiz allein wäre ihnen ein zu kleiner Markt. Ihre Klienten spielen in Portugal, Polen, Serbien und Russland, in Israel, Marokko oder Zypern.
Der berühmteste und teuerste unter ihnen ist der 25-jährige Ezequiel Garay. Den argentinischen Innenverteidiger haben die Cedrolas 2011 von Real Madrid zu Benfica Lissabon gelotst. Sein Marktwert wird auf knapp 14 Millionen Schweizer Franken geschätzt. Renato Cedrola schmunzelt. Für ihn, der die Transferdetails kennt, sind Angaben zu seinen Klienten auf Portalen wie Transfermarkt.ch im besten Fall mehr oder weniger zutreffende «Momentaufnahmen», meist indes schlicht von zweifelhaftem Wert. «Wie diese Summen zustande kommen, ist mir ein Rätsel», sagt er.

Das Gegenteil der Millionendeals sind «Freundschaftsdienste», wie es Cedrola nennt. Da wird einem abstiegsbedrohten Challenge-League-Club schon einmal ein Talent aus der obersten Spielklasse ausgeliehen – für «1000 Franken und eine Bratwurst».

Ein lukratives Geschäft liesse sich dagegen mit Ezequiel Óscar Scarione machen. In der Winterpause bekundeten Vereine aus Spanien und dem arabischen Raum Interesse am Regisseur des FC St. Gallen. Ein Transfer kam für Cedrola allerdings nicht infrage. «Die St. Galler befinden sich mitten im Aufstiegsrennen. Da dürfen wir sie nicht so entscheidend schwächen.» Manchmal wiegt der kurzfristige Profit den längerfristigen Schaden eben nicht auf. Die Cedrolas wissen dies nur zu gut. Spielervermittler sind umstritten, nicht selten zu Recht. Die Branche zieht Wichtigtuer an, Hochstapler, Menschenhändler.

Falsches Spiel

Die Cedrolas dagegen geniessen einen guten Ruf, auf Club- und Spielerseite. Sie pflegen beste Kontakte zum Ligakrösus FC Basel. Mit ihm schlossen sie den ersten Transfer ihrer Karriere ab. 2001 suchte der damalige Vereinspräsident René C. Jäggi händeringend einen Stürmer von internationalem Format. Als die Brüder davon erfuhren, war ihnen sofort klar, wer dem FCB fehlte. Über einen gemeinsamen Bekannten kamen sie mit den Investoren des FC Lugano ins Gespräch, wo ihr Objekt der Begierde spielte. Nach zähen Verhandlungen flossen 1,8 Millionen US-Dollar ins Tessin. Fortan hatte Jäggi den gewünschten Knipser: Christian Giménez. Für die Tippgeber blieb eine kleine Belohnung von 20 000 Schweizer Franken.

Damals waren die Cedrolas glücklich über diesen Betrag. Doch schon wenige Jahre später nahmen sie beträchtlich mehr ein, als sie dem FCB für ein Gesamtpaket von 10 Millionen Franken – inklusive Ablösesumme, Provision und Lohn – César Carignano vermittelten. Die Ostschweizer waren nun etabliert, aber nicht vor Rückschlägen gefeit. 2006 gab ihnen Basels Matías Delgado die mündliche Zusage zum Transfer nach Mönchengladbach. Der damalige Borussen-Coach Jupp Heynckes versprach dem Argentinier die Nummer 10, und die Vereine setzten sich an einen Tisch. Bloss, auf einmal war nichts mehr wie vereinbart. Ohne die Berater zu informieren, hatte Delgado bei Besiktas Istanbul unterschrieben – für das fast doppelt so hohe Gehalt. Gleichwohl fragte sich Renato Cedrola, wie man «einen Ehrenmann wie Heynckes» so vor den Kopf stossen könne. Ihm selber ging eine Provision von über einer halben Million Euro durch die Lappen.



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«Dank Völler habe ich eine Rudi-Rente»

Er ist eine deutsche Fernsehlegende mit Kultstatus. Im Interview mit kurzpass.ch rechnet Waldemar Hartmann mit der ARD ab, spricht über die Steueraffäre um Uli Hoeness und lobt seine Wahlheimat Chur.

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