Porto-Fans feiern neben einer Zunft in Basel. (Bild: C. De Capitani)
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Basel vor der nächsten Sternstunde – Porto-Fans zelebrieren ihr Dasein

Der FC Basel hofft im Achtelfinal-Duell gegen den FC Porto auf die nächste Sensation. Ein Weiterkommen und das erstmalige Erreichen der Runde der besten Acht wäre für viele der «grösste Erfolg der Vereinsgeschichte», wobei dieser Begriff in der FCB-Historie in der letzten Zeit sowieso inflationär gebraucht werden musste. Kurzpass.ch stimmt euch mit einem Countdown auf den magischen Abend ein und bringt in Erfahrung, was die Beteiligten aller Seiten über den Champions-League-Kracher meinen.

Fans aus Porto 

8’000 Fans – diese Zahl übersteigt die durchschnittliche Zuschauerzahl in Vaduz oder Zürich um einiges. 8’000 Fans, so viele Portugiesen sind gemäss einem Porto-Anhänger nach Basel angereist. «Wir sind am frühen Morgen abgereist, manche mit dem Bus, manche mit dem Flugzeug. Wir sind stolz, unsere Mannschaft hier sehen zu dürfen», sagt ein Anhänger, dessen Namen nicht genannt werden soll. «Basel ist gut, aber wir sind besser», vernimmt man auf dem Markplatz in Basel einstimmig, wo sich viele Porto Fans vor dem Spiel lautstark die Zeit vertrieben. Interessant ist die Begründung der Zuversicht. «Basel hat vielleicht die Finanzen besser im Griff, wir können aber auf unsere lange Tradition und Geschichte zählen», sagt der Anhänger stellvertretend. «Zudem haben wir aktuell das stärkere Team.»

Die Anhänger des FC Porto feierten ihre Ankunft friedlich auf dem Marktplatz in Basel. (Bild: C. De Capitani)

Die Anhänger des FC Porto feierten ihre Ankunft friedlich auf dem Marktplatz in Basel. (Bild: C. De Capitani)

Friedlich, aber stets aufmerksam, zelebrierten die Portugiesen ihre Ankunft. Auf unangenehme Fragen antwortete keiner, Fotos wollten sie schon gar nicht. «Wir sind hier zu Gast, aber wenn uns jemand angreift, dann kann es unschön werden», lässt sich der Porto-Anhänger zitieren. Grund dafür: Er habe im Internet Videos der FCB-Fans gesehen. «Ich kenne Basel nicht, aber sie scheinen alle politisch sehr rechts orientiert», sagt er weiter.

Die Polizei

Die grosse Menge ausländischer Fans vor dem Rathaus stellte indes für die Polizei keine Probleme dar. «Das wurde alles so koordiniert und verläuft wie geplant», bestätigt ein Polizist auf dem Marktplatz. «Auch wenn solche Situationen von Natur aus immer heikel sind, verläuft alles friedlich», sagt der Polizist. Das Problem von sogenannten Krawall-Touristen bestünde in Europa-Cup-Spielen nicht. Natürlich gäbe es hin und wieder Personen, die sich vor allem aufgrund übermässigem Alkoholkonsum nicht benehmen können, doch «je länger die Anreise, desto friedlicher die Fans». Der Grund: Anders als in der Schweiz ist der Preis für den Krawall ins Ausland ungleich höher. Zudem sei der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe grösser und «die Masse hält sich gegenseitig zurück», führt der Polizist weiter aus.

So gesehen ist das Spektakel der Porto-Fans auch für nicht Fussballbegeisterte gross. «Das ist doch wunderbar und hat nichts damit zu tun, was man von den Medien stets vernimmt», sagt ein interessierter Passant. «Die Stimmung ist gut, davor habe ich definitiv keine Angst.»

 

Die Vorgeschichte

Das bisher einzige Champions-League-Achtelfinal bestritt der FC Basel vor drei Jahren gegen den FC Bayern München. Nachdem Basel in der Gruppenphase mit einem 3:3-Unentschieden auswärts im «Old Trafford» aufhorchen liess, folgte der 2:1-Trimph im entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen ebendieses Manchester United. Die Hürde der Gruppenphase wurde als Gruppenzweiter hinter Benfica Lissabon erfolgreich gemeistert.

Der bisher einzige Achtelfinal-Sieg datiert auf den 22. Februar 2012. Valentin Stocker erzielte in der 86. Minute auf Pass von Jacques Zoua den goldenen Treffer. Basel hatte zuvor bereits zweimal Aluminium getroffen. Die Grenzen wurde dem Schweizer Serienmeister erst im Rückspiel aufgezeigt. Mit dem Rückenwind von drei Siegen aus den vorangegangenen drei Champions-League-Partien (3:2 gegen Otelul Galati, 2:1 gegen Manchester United und 1:0 gegen Bayern München), erfuhren die Bebbi durch das Starensemble von der Isar erstmals Gegenwind – und wie. Gegen den späteren Finalisten musste der FCB bereits nach elf Minuten den ersten Gegentreffer durch Robben hinnehmen, spätestens nach 44 Minuten und dem 3:0 durch Gómez waren die Basler Träume auf die entgültige Sensation begraben. Schlussresultat aus Basler Sicht: 0:7.

Der Schiedsrichter

Schiedsrichter jener Partie, notabene der höchste Sieg in einer Champions-League-K.o.-Runde, war Mark Clattenburg. Der Brite pfiff sein erstes Spiel auf der höchsten europäischen Stufe und wurde sogleich Zeugen einer historischen Lernstunde.

Nicht nur aufgrund der Kanterniederlage gegen die Bayern dürfte der FC Basel keine guten Erinnerungen mit Clattenburg verbinden. Am 24.08.2006 verlor der FCB auswärts in der Europa-League-Qualifikation gegen den heutigen Ligakonkurrenten aus Vaduz mit 2:1 – das Weiterkommen wurde nur dank einem 1:0-Heimsieg und der Auswärtstorregel realisiert. Sieben Monate nach der verheerenden Niederlage gegen München erkämpfte sich Basel in der Gruppenphase der Europa League auswärts in Genk, welches zuvor in der Play-off-Runde den FC Luzern ausgeschaltet hatte, ein 0:0-Unentschieden.

Der Gegner

Nicht nur mit dem Schiedsrichter, sondern auch mit Vereinen von der iberischen Halbinsel verbinden die Basler keine guten Erinnerungen. Anders als gegen Teams von der britischen Insel, gegen die der FC Basel in der Champions League eine fantastische Quote aufweist (4 Siege, 5 Unentschieden, 1 Niederlage), liegen portugiesische Mannschaften dem FCB nicht (1 Unentschieden, 3 Niederlagen). «Wenn wir zwei gute Tage erwischen, müssen wir nicht zusätzlich auf zwei schlechte Tage von Porto hoffen»sagt beispielsweise Marco Streller. Diese Aussage unterstreicht das Selbstbewusstsein der Basler, welches nicht auf Überheblichkeit, sondern auf dem Wissen, woher man kommt, gründet.

Porto gilt wie Basel als Ausbildungsclub, dessen Einnahmen hauptsächlich auf dem Kauf und Verkauf von jungen Spielern gründet. Spieler wie Hulk, James Rodriguez oder Falcao spielten dereinst für den FC Porto, bevor sie gewinnbringend ins europäische Ausland verkauft wurden. Alleine durch die obengenannten drei Spieler erwirtschaftete Porto einen Gewinn von über 100 Millionen Schweizer Franken – und die Liste bekannter Namen lässt sich beliebig fortsetzten. Jüngstes Beispiel: Jackson Martínez holte Porto für 8.8 Millionen Euro aus Mexiko. In der laufenden Saison erzielte der Kolumbianer wettbewerbsübergreifend alle 101 Minuten ein Tor, in der Champions League steht er bei fünf Treffern in fünf Gruppenspielen. Sein Marktwert beträgt dank starken Leistungen an der WM und auf der europäischen Bühne bereits 32 Millionen Euro. Insgesamt übersteigt der Marktwert des Kaders des FC Porto den des FC Basel um vierfaches. 213 Millionen stehen  mickrig wirkenden 53 Millionen gegenüber.

Zusammen mit Manchester United, Barcelona und Real ist der FC Porto im Kreis der Klub-Elite Rekordteilnehmer. Zum 19. Mal schon hat er sich qualifiziert, seine mediale Strahlkraft ist enorm, der Verein ist auch in Südamerika und in Teilen Afrikas ein grosses Thema. Zweimal gewann Porto die wichtigste Trophäe des Klubfussballs: 1987 dank des legendären Absatztores von Rabah Madjer und 2004 unter José Mourinho. Sieben Jahre nach der magischen Nacht auf Schalke triumphierten die «Dragões» 2011 in der Europa League.

Die Selbstverständlichkeit

Eine Niederlage gegen Basel? Unvorstellbar – zumindest wenn es nach den Porto-Anhang geht. Porto-Trainer Julen Lopetegui zollt dem heutigen Gegner unlängst mehr Respekt. Auch, weil er ob des Schicksals grosser Vereine aus England natürlich bestens informiert ist. «Wenn wir von Basel sprechen, sprechen wir von Qualität», sagte er an der Medienkonferenz. Besonders lobte der 48-jährige Spanier den FCB-Trainer Paulo Sousa, denn dieser «leistet in Basel hervorragende Arbeit».

Ob sich diese hervorragende Arbeit auch gegen Porto ausbezahlen wird, wird sich weisen. Zumindest hat Sousa seit seinem Amtsantritt mit Basel erst vier Mal verloren – drei Mal davon jedoch in der Champions League. Ein wichter Trumph sein könnte die Nationalität Sousas und die Tatsache, dass dieser sowie Analyst Manuel Cordeiro den portugisischen Fussball bestens kennen. Zwar haben beide nie für Porto gespielt, als ehemaliger Benfica und Sporting Spieler und Captain der Nationalmannschaft kennt Sousa seinen Gegner aber in uns auswendig. «Wir werden in beiden Spielen schwierige Phasen durchlaufen. Gleichwohl werden wir Porto aber vor Schwierigkeiten stellen. Es gibt keinen schöneren Gegner als Porto», sagt Sousa.

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