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Die Geschichte des Balls

Über die lange und faszinierende Entwicklung des Fussballs bis zum «Jabulani», dem offiziellen Ball der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Das Geheimnis der ungebrochenen Faszination für das Fussballspiel liegt bekanntlich in seiner Einfachheit: «Das Runde muss ins Eckige» hatte Sepp Herberger einst treffend formuliert – als Trainer der deutschen Nationalmannschaft gewann er unter anderem das Endspiel der WM 1954, das als «Wunder von Bern» (zum Video) in die Geschichte einging. An diesem grundlegenden Prinzip der vermeintlich schönsten Nebensache der Welt hat sich auch bis heute nichts verändert. Die braune Lederkugel mit dem Namen «Swiss WC Match Ball» (Bild), mit der Helmut Rahn damals in Bern das legendäre und alles entscheidende Tor für die Deutschen erzielt hatte, ist inzwischen aber definitiv ein Stück Fussballgeschichte. Mit den heutigen Spielgeräten haben die Bälle von damals, bis auf die runde Form, nicht mehr allzu viel gemeinsam. Der Fussball hat in den letzten Jahrzehnten – nebst der optischen Erscheinung der Spieler – den wohl auffälligsten Wandel durchgemacht.

Der moderne Fussball ist zum Hightech-Produkt geworden, in dem meist jahrelange Forschungs- und Entwicklungsarbeit stecken. Um auf den Fussballplätzen dieser Welt eingesetzt zu werden, muss er ganz bestimmten Anforderungen genügen. Laut der FIFA ist ein Ball nur dann regelkonform, wenn er «kugelförmig ist, aus Leder oder einem anderen geeigneten Material gefertigt ist, einen Umfang von mindestens 68 und höchstens 70 Zentimeter hat, zu Spielbeginn mindestens 410 und höchstens 450 Gramm wiegt und sein Druck 0.6 – 1.1 Atmosphären auf Meereshöhe beträgt».

Die Revolution

Bis zum FIFA-geeichten Ball war es jedoch ein weiter Weg. Historische Quellen verweisen darauf, dass die Chinesen bereits vor über 4000 Jahren ballähnlichen Gegenständen aus den verschiedensten Materialien nachjagten – jedoch weniger als spielerische oder unterhaltende Betätigung, sondern hauptsächlich zur Wehrertüchtigung. Auch die Ägypter sollen zur Zeit der Pharaonen Bälle aus Stroh oder Getreide hergestellt haben. Die ersten Fussbälle waren also weder besonders rund noch besonders elastisch und wurden meist von einem Netz zusammengehalten. Die primitiven Ballformen blieben für sehr lange Zeit bestehen und sind in den Favelas und Townships dieser Welt zum Teil noch heute präsent.

Die Revolution kam erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die ersten elastischen Lederbälle mit luftgefüllten Schweinsblasen eingesetzt wurden. Allerdings waren auch diese Bälle (noch) nicht wirklich rund, da sie mangels eines Luftventils verschnürt werden mussten. Diese Nahtstelle war vor allem dem Kopfballspiel sehr abträglich und sorgte immer wieder für böse Verletzungen. Ein weiterer Nachteil war, dass sich die Lederkugeln bei Regenfall mit Wasser vollsogen und so im Verlauf des Spiels immer schwerer wurden. Dies konnte später durch die Imprägnierung des Leders zumindest teilweise verhindert werden. Der erste unverschnürte Ball war indes der Erfindung des Luftventils im Jahre 1930 zu verdanken und wurde seinerzeit als grosse Errungenschaft angepriesen.

Während das runde Leder in den 30ern und 40ern des 20. Jahrhunderts noch vorwiegend aus zwölf Teilen bestand, wurde im WM-Finale 1954 erstmals mit einem 18-teiligen Ball gespielt. An der WM 1970 in Mexiko wurde dann der aus 12 schwarzen Fünf- und 20 weissen Schesecken bestehende «Telstar» vorgestellt. Er war nicht nur der erste offizielle WM-Ball, sondern auch der bis anhin rundeste Ball, weshalb sich die charakteristische Form mit den 32 Lederpanels von da an zum Standard entwickelte. Herbergers legendärer Ausspruch – «Der Ball ist rund!» – entsprach erstmals tatsächlich der Realität.

Der Siegeszug von adidas

Seit der WM-Endrunde 1970 in Mexiko ist adidas für den offiziellen Ball an Weltmeisterschaften zuständig – bis anhin wurde zumeist auf Bälle des Gastgeberlandes zurückgegriffen. Die Experten von adidas tüftelten seither immer weiter in Richtung Perfektion und entwickelten das runde Leder mit rasanter Geschwindigkeit weiter. Nach dem bahnbrechenden «Telstar» folgten weitere Meilensteine wie der «Azteca» an der WM 1986 in Mexiko – erstmals vollständig aus Kunststoff und damit weitgehend wasserresistent; der «Tricolore» an der WM 1998 in Frankreich – erster farbiger Ball an einer WM; der «Roteiro» an der EM 2004 in Portugal – der erste nicht genähte, sondern thermisch verklebte Ball; und der «+Teamgeist» an der WM 2006 in Deutschland – durch die neuartige Anordnung von 14 Panels wich er maximal nur 0.1% von einer perfekten Kugel ab und die Spielbälle wurden zum ersten Mal an einer WM mit den Namen der beiden gegeneinander antretenden Mannschaften sowie dem Datum, der Urzeit und dem Austragungsort beschriftet.

Der «Jabulani» ist die neuste technische Errungenschaft aus dem Hause adidas und mittlerweile der elfte offizielle FIFA WM-Ball. Mit seiner wiederum runderneuerten Form aus nur noch acht synthetischen Panels und der speziellen Oberflächenbeschaffenheit setzt er in jeder Hinsicht neue Massstäbe. Seine bis dahin unerreichte Schnelligkeit und Präzision treibt die Torhüter dieser Welt seit seiner Einführung 2010 regelmässig zur Verzweiflung.

Es darf mit Spannung erwartet werden, wie die nähere Zukunft des weltweit beliebtesten Sportgeräts aussieht. Der nächste technologische Quantensprung – der Chip im Ball – scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Denn noch immer ist im Fussball die scheinbar simple Frage, ob das «Runde» denn im «Eckigen» war oder nicht, matchentscheidend.

«Wunder von Bern» – In unserem neuen Videoportal können Sie sich das legendäre Tor nochmals anschauen.

Bild: www.theworldcupballs.com

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