wölfli bejubelt
Marco Wölfli wird von den YB-Fans nach dem Sieg gegen Luzern bejubelt: Er bleibt in Bern. (Bild: C. De Capitani)
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He’s a Young Boy till he dies

Nach dem Sieg gegen Luzern feierten die YB-Fans Marco Wölfli, der auch an diesem Abend seinen Pflichten als Torhüter Nummer 2 auf der Ersatzbank nachgekommen ist. Trotz des Verlusts des Stammplatzes und Angeboten anderer Vereine hat «Wouf» sich einmal mehr für YB entschieden. Ein Kommentar zu einer beachtlichen Vertragsverlängerung.

Wölfli, die Konstante bei YB

Marco Wölfli kam im Jahr 1998 zu YB. 2002 wurde er an den FC Thun ausgeliehen und kehrte eineinhalb Jahre später wieder nach Bern zurück. Seither ist er dort geblieben. Er blieb, als er auf dem Höhepunkt seiner Karriere Angebote aus dem Ausland bekam, er blieb, als YB nicht ganz einfache Zeiten mit nicht ganz einfachen Trainern durchlebte. Und er bleibt auch jetzt, obwohl er seinen Platz im Tor gegen denjenigen auf der Ersatzbank tauschen musste.

Treue ist im Fussballbusiness eine Rarität. Denn es ist eben ein Geschäft. Neben allen Emotionen, die darin verwickelt sein mögen, geht es für diejenigen, die den Zirkus veranstalten, vor allem um Geld. Und welcher Profi würde nicht den Verein wechseln, wenn der neue Arbeitgeber ihm mehr Prestige, Geld oder Spielzeit verspricht? Dass Spieler selbst dann loyal sind, wenn sie ihr Wohl hinter die Interessen des Vereins stellen müssen, kommt heute nur noch in Einzelfällen vor. Umso mehr passt diese Entscheidung zu Marco Wölfli. Obwohl jeder hätte nachvollziehen können, wenn sich der Torhüter nach einem Verein umgesehen hätte, der als Nummer eins auf ihn setzt, hat der 32-Jährige seinen Vertrag bei den Gelbschwarzen bis 2018 verlängert.

Verletzung, Verlust, Vertragsverlängerung

Vor einem Jahr hat sich Marco Wölfli in Thun an der Achillessehne verletzt und musste deshalb ein halbes Jahr pausieren. In dieser Zeit konnte er nicht an die WM fahren und ein junger flinker Goalie hat sich mit seinen Leistungen Uli Forte dermassen aufgedrängt, dass dieser keinen Grund finden konnte, weshalb er eine erneute Torhüter-Rochade in Betracht ziehen sollte. Mit der Rückkehr kam so auch die Bestätigung für Wölfli seinen Stammplatz verloren zu haben. Diesen zurückzugewinnen ist Ziel des Fussballers, aber er ist sich sicher auch bewusst, dass dies mit grosser Wahrscheinlichkeit bloss dann der Fall sein wird, wenn Mvogo weiterziehen sollte. Trotzdem hat er Angebote aus der Schweiz und dem Ausland ausgeschlagen, um bei YB zu bleiben, wie er im Interview mit Radio Gelb-Schwarz zu Protokoll gab.

Schwer vorstellbar wäre es wohl für YB-Fans gewesen, «Wouf» im gegnerischen Tor zu sehen, doch sogar sie hätten die Entscheidung unter den gegebenen Umständen verstanden. Die eine oder andere kritische Stimme gab es auch bei dieser Vertragsverlängerung, doch generell wurde diese mit Überraschung und Freude kommentiert. Nach dem Sieg gegen den FC Luzern skandierte die Fankurve «Wölfli, Wölfli…»: Während das Stadion, das gemäss einer Petition der Ostkurve bald wieder Wankdorf heissen soll, im nächsten Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiern kann, spielt Wölfli bereits 15 Jahre für YB.

Wölfli steht für YB

Ein Lied der «Bärner Rohrspatze» besingt: «E rächte Bärner Giu isch für YB». Marco Wölfli stammt zwar aus Grenchen, dennoch  findet sich nur schwer ein anderer, der mehr Berner Junge ist als er. Er ist Identifikationsfigur, Kultfigur wie «Gügi» und «Häbi», sein Name ist untrennbar mit den gelbschwarzen Farben verknüpft – und er lässt die Herzen von Fussballromantikern höher schlagen, indem er erneut seine Vereinstreue unter Beweis stellt.

Auf seiner Website wird der Schlussmann zitiert: «Ich freue mich sehr, dass ich meinen Vertrag verlängern konnte. Mir liegt dieser Verein extrem am Herzen und will auch in den nächsten Jahren mithelfen, die hochgesteckten Ziele zu erreichen!» Wenn er sagt, dass YB sein Verein sei, dann ist Wölfli die treue Seele, der das auch geglaubt werden kann. Und sollte in den nächsten Jahren doch noch Zählbares für die Young Boys herausschauen, dann wäre das keinem mehr zu gönnen als dem «Leitwolf».

(Zu weiteren Bildern der Partie Luzern-YB geht es hier.)

 

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