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Sion am Boden. Können die Walliser dem Abstieg verhindern? (Bild Maurizio Reginato)
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Rette sich wer kann

Am Samstag startet die Rückrunde der Super League. Der Meistertitel wird wohl auch in diesem Jahr nach Basel gehen, doch dahinter kommt es zu einem hochdramatischen Kampf um den Ligaerhalt. Wer kann sich retten?

Hinter Basel wird’s eng

Die zweite Saisonhälfte in der Super League wird bis zum Ende Hochspannung erzeugen. Zwar nicht an der Tabellenspitze, wo die Konkurrenz des übermächtigen FC Basel diesmal schon bei Halbzeit geschlagen scheint. Der Titel des Meisters ist scheinbar noch früher als in anderen Jahren bereits vergeben. Doch dahinter ist fast nichts unmöglich. Zürich, YB, St. Gallen und Thun liegen alle innerhalb von vier Punkten. Deshalb darf jeder aus diesem Quartett von der Champions League träumen. Denn auch in dieser Saison berechtigt Platz zwei zur Teilnahme an der Qualifikation zur Königsklasse. Und je nach Cupsieger, wird uns auch der Kampf um die Europa-League-Plätze noch hitzige Spiele bescheren.

Die wirklich dramatischen Momente aber werden ganz hinten in der Rangliste stattfinden. Denn GC, Vaduz, Aarau, Sion und Schlusslicht Luzern trennen gerade einmal sechs Punkte. Der Abstiegskampf wird unerbittlich und vermutlich bis zur allerletzten Runde hochspannend sein. Was für ein Kontrast zum Vorjahr, als Lausanne schon im Herbst praktisch als Absteiger feststand. Doch wer hat die besten Karten wenn es darum geht, den Fall in die Challenge League zu verhindern? kurzpass.ch wagt die Prognose.

6. GC (19 Punkte)

Abstiegskampf? Zwei Jahre nachdem der Rekordmeister bis zum Ende im Meisterrennen mitwirkte und die Rangliste zeitweise deutlich anführte? Was damals unvorstellbar war, ist mittlerweile knallharte Realität. Und das völlig selbstverschuldet. Dass die Wirren in der Teppichetage des einstigen Nobelclubs Auswirkungen auf die Geschehnisse auf dem Rasen haben, darf nicht überraschen. Das Theater um Vero Salatic hat das Team während Wochen, ja sogar Monaten blockiert und sportlich abstürzen lassen.

Dass Salatic nun trotz Rehabilitierung, gut bezahltem Vertrag und dem Abgang von «Feind» Skibbe trotzdem weg will, sagt alles. Hoffnungsschimmer erzeugen einzig Sportchef Thoma und Trainer Tami. Die beiden ruhigen Schaffer mit grossem Fussball-Sachverstand können für Ruhe sorgen. Aber nur wenn sich Präsident Anliker endlich komplett aus dem Tagesgeschäft raushält.

Prognose: Die Zürcher wursteln sich im Frühling ähnlich durch die Liga wie im Herbst, haben am Ende aber zu viel Qualität um abzusteigen.

7. Vaduz (18)

Bei Halbzeit fünf Punkte Vorsprung auf den letzten Platz. Das hat der Mannschaft von Giorgio Contini vor der Saison kaum jemand zugetraut. Die Liechtensteiner haben von den fünf in die Relegation verwickelten Teams am wenigsten zu verlieren. Selbst jetzt, mit der guten Ausgangslage, wäre der Klassenerhalt nach wie vor eine kleine Überraschung. Der Vaduzer Pluspunkt: Wenn es gegen die direkten Konkurrenten geht, ist der Aufsteiger bereit. 13 der 18 Punkte holte man in den acht Partien gegen die vier Abstiegs-Rivalen, nur auswärts gegen Sion setzte es eine Niederlage ab.

Prognose: Die Luft wird zwar ganz dünn im Ländle, am Ende aber darf gejubelt werden.

8. Aarau (16)

Mit vier Niederlagen und einem Torverhältnis von 0:12 ging das Aarauer Fussballjahr äusserst unrühmlich zu Ende. Der letzte Meisterschaftssieg liegt schon vier Monate zurück (3:2 gegen YB). Sven Christ hat in seiner ersten Saison als Trainer im Spitzenfussball unruhige Wochen hinter sich. Und vermutlich auch vor sich, für das Gegenteil jedenfalls spricht zurzeit wenig.

Kaum zurück aus dem Trainingslager in der Türkei, sorgte der Zwist zwischen Christ und Gygax für Schlagzeilen in der Presse. Zudem wurde öffentlich, dass man Abnehmer für vereinzelte Spieler sucht, welche die Ansprüche offenbar nicht erfüllen. Ziehen beim FC Aarau wirklich alle am gleichen Strick? Ein Nein auf diese Frage wäre im Abstiegskampf absolut verheerend. Vieles erinnerte zuletzt an die total missratene Saison 2009/10, welche schliesslich im Abstieg endete.

Prognose: Die abgeschmetterte Beschwerde gegen den Neubau des Stadions setzt neue Kräfte frei, Aarau schaffts.

9. Sion (15)

Chassot, Dries, Smajic, Tholot, Trainerlizenz, keine Trainerlizenz. Es war in der abgelaufenen Hinrunde erneut nicht einfach den Überblick zu behalten, wer beim FC Sion gerade das Sagen im sportlichen Bereich hat und wer es gemäss Statuten der Swiss Football League gar nicht haben dürfte. Wobei, eigentlich war es wie immer ganz einfach: Befehlen tut nur einer, der Patron, Christian Constantin.

Und der Chef holte in den letzten Tagen einen Spieler an Bord, der das vom Kurs abgewichene Schiff FC Sion endlich in ruhige Gewässer führen sollen: Reto Ziegler. Er soll schaffen, was selbst Weltmeister Gattuso nicht gelang: die Mannschaft auf dem Feld als Einheit führen. Die Erfolgschancen sind eher gering. Ausgerechnet ein Spieler, dessen letzter Ernstkampf lange zurückliegt, soll die oft vom Tempo überforderte Abwehr stabilisieren?

Prognose: Tholot erlebt Ostern bereits nicht mehr als Sion-Trainer, der Verein versinkt im Chaos und steigt ab.

10. Luzern (13)

Die Worte «Meistertitel» und «Champions League» geisterten in Luzern herum, als sich im Sommer 2013 abzuzeichnen schien, dass das sportliche Führungs-Duo Bernegger/Frei Erfolg haben könnte. 18 Monate später hat sich beim FCL nicht nur das Personal verändert, sondern auch die Ansprüche. Ligaerhalt heisst das bescheidene Ziel. Nach der miserablen Hinrunde mit nur zwei gewonnenen Spielen wäre alles andere auch vermessen.

Entscheidend wird für Luzern der Start in diese zweite Phase der Meisterschaft sein. Nach den beiden ersten Spielen gegen YB und St. Gallen geht es der Reihe nach gegen Aarau (h), Sion (a), GC (a) und Vaduz (h). Es werden bereits früh die Wochen der Wahrheit für den FCL. Liegt man auch nach diesem Programm noch an letzter Stelle wird es ganz schwer, den Negativtrend noch zu stoppen.

Prognose: Der neue Sportchef Rolf Fringer bringt mit seiner Art Ruhe in den Verein, der FCL reicht die rote Laterne bald einmal weiter.

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